Originaltitel: MAN FOR A DAY

D/GB/Finnland 2011, 96 min
FSK 6
Verleih: Salzgeber

Genre: Dokumentation, Schwul-Lesbisch

Stab:
Regie: Katarina Peters
Drehbuch: Katarina Peters

Kinostart: 02.08.12

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Man For A Day

Acht Frauen erkunden ihr männliches Selbst

Auch auf die Gefahr hin, als pingelig zu gelten, muß der Rezensent der Korrektheit halber den schönen knackigen Titel dieser aufschlußreichen und dazu noch sehr unterhaltsamen Doku gleich einmal beanstanden. Denn genau genommen müßte dieser MAN FOR A WEEK lauten. So lange dauert nämlich der Workshop der New Yorker Gender-Aktivistin und Performancekünstlerin Diane Torr, den die Regisseurin Katarina Peters in ihrem zweiten langen Dokumentarfilm hier begleitet. Der Workshop bietet acht Frauen die Gelegenheit, ihre weibliche Identität abzulegen und auf die andere Seite zu wechseln: Einmal der Mann sein, der sie vielleicht schon immer mal sein wollten, oder den sie sonst in irgendeiner Weise faszinierend finden.

Was sehr spielerisch mit dem Basteln des eigenen Penis’ mit Watte und Kondom beginnt, wird immer komplexer. Die Frauen lernen von Torr, wie Männer sich anders bewegen, wie sie anders reden, und wie die Frauen ihr Äußeres verändern müssen, um wirklich auf der Straße als Mann durchzugehen. Denn es geht hier nicht um Karnevalskostüme, sondern um eine grundlegende Erfahrung, welche auf eine immer noch sehr brisante Frage hinausläuft: Wie fest sind die Geschlechterrollen auch heute noch, und wie verändert sich gesellschaftliche Wahrnehmung, wenn man die geschlechtliche Identität wechselt? Die unterschiedlichen Frauentypen finden im Berliner Workshop von Torr zusammen: Von der israelischen burschikosen Powerfrau bis zur aufgestylten Schönheitskönigin aus Brandenburg. Dementsprechend interessant und abwechslungsreich sind deren Verwandlungsprozeß und die jeweilige Antwort auf die Frage, wie es sich anfühlt, einmal ein Mann zu sein.

Vielleicht ist für den Zuschauer das Spannendste an der Mann-Erfahrung der Teilnehmerinnen, was er durch den Rollenwechsel über die Frauen, deren Geschichten und deren Selbstbild erfährt. Trotz reichhaltiger Erkenntnisse dieses Selbsterfahrungstrips ist die Doku aber keineswegs didaktisch oder verkopft geraten, sondern schafft es über den Humor ihrer Protagonistinnen, durchweg auch das mit der Gender-Thematik weniger vertraute Publikum bestens zu unterhalten. Und das, ohne je plakativ oder flach werden zu müssen. Ein rundum gelungenes Experiment. Nun ja, bis auf die kleine Ungenauigkeit im Titel eben ...

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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