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Maniac

Mord mit zwiespältigem Stil

Gleich zur Bestätigung für Leute mit Film-Giftschrank zu Hause: Ja, es handelt sich selbstverständlich um ein Remake von William Lustigs unter Fans kultig verehrtem Original. Nein, ein Vergleich lohnt nicht, weil selbiges in Deutschland zum aktuellen Stand noch bis 2035 aus dem Verkehr gezogen ist, daher muß der allgemeine Hinweis genügen, daß man die hiesige Version eher als eigenständige Hommage sehen kann. Und nochmals nein – die berüchtigte Szene, in der sich Tom Savini durch eigene Effektarbeit aus dem Film entfernte, wurde nicht kopiert. Genug Infos? Gut.

Für alle anderen etwas Inhalt. Es geht um Frank, Besitzer eines Schaufensterpuppenladens. Seiner psychischen Verkrüppelung begegnet der Mann, indem er Frauen tötet, skalpiert und entkleidet, um mit den grausam erbeuteten Trophäen besagte Puppen zu versehen. Bis eines Tages Fotografin Anna in Franks Leben tritt ...

Mehr gibt’s da kaum zu sagen, was bei unabhängiger Betrachtung gleich als Pferdefuß des Ganzen wirkt: Die Chance, in die Psyche eines Killers einzudringen, läßt auch das Remake großteils ungenutzt. Mal wieder ist die bis zum Abwinken bekannte promiskuitive (und kaum einen kompletten Satz sagen dürfende) Mutter an der Psychose schuld, erneut tritt das weibliche Personal grundsätzlich bloß zum Sterben in Erscheinung, selbst Anna gewinnt über erotischen französischen Akzent hinaus wenige Facetten. Frauen als filmisches Schlachtvieh. Große Kunst.

Weil Regisseur Franck Khalfoun scheinbar sowieso ein Freund milchgesichtiger Buben ist, besetzt er nach seinem Debüt P2 die Mörderrolle zum zweiten Mal mit einem solchen, hier Elijah Wood. Der schlägt sich ordentlich, muß indes nicht wirklich viel mimen, da meist aus Franks subjektiver Sicht erzählt wird. Bleibt einerseits ein interessanter optischer Kniff, welcher in Paarung mit dem treibenden Soundtrack und der hochwertig geführten Kamera durchaus gefällt. Zumindest jenem Teil des Publikums, der sich angesichts extrem blutig umgesetzter Skalpierungsszenen oder des noch heftigeren Endes als einst dem Drang widersetzt, rücksichtsvoll still in den Popcornbecher zu brechen.

Andererseits aber birgt solche audiovisuelle Qualität gleichzeitig ein Problem: Da haut nichts dreckig-krude rein, Mord gerät wie so oft zur Unterhaltung. Außergewöhnlich stilvoll, verdammt hart – und genau deswegen eine recht fragwürdige Sache.

Originaltitel: MANIAC

F/USA 2012, 92 min
FSK 18
Verleih: Ascot

Genre: Thriller, Psycho, Killer

Darsteller: Elijah Wood, Nora Arnezeder, America Olivo

Regie: Franck Khalfoun

Kinostart: 27.12.12

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...