Originaltitel: MANTRA – SOUNDS INTO SILENCE

Spanien/F/Griechenland/Indien/Rußland/GB/USA 2017, 85 min
FSK 0
Verleih: Alpenrepublik

Genre: Dokumentation

Regie: Georgia Wyss

Kinostart: 07.06.18

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Mantra

Chanten für die Seele

Es ist sicher streitbar, ob kollektives Singen die Welt zu einem besseren Ort macht. Und man kann der immer noch stetig boomenden Achtsamkeits-Loslaß-Finde-Dein-inneres-Kind-Welle in diesen politisch prekären Zeiten und angesichts der Klimakatastrophe, die auf uns zurollt, durchaus kritisch gegenüberstehen. Aber wer sich in irgendeiner Form auf die Momente besinnt, in denen er gemeinsam mit anderen gesungen hat, der wird sich an Gefühle von Freude und Wärme erinnern.

Hier setzt Georgia Wyss an und begibt sich auf die Reise, um die Bedeutung des Singens von Mantren zu ergründen. Mantra setzt sich aus „Man“, welches „Geist“ bedeutet, und der Silbe „Tra“ zusammen, die mit „Instrument“ übersetzt wird. Im indischen Bhakti-Kult entstanden die sogenannten Kirtans, bei denen Vorsänger Verse und Mantren rezitieren und die Gemeinschaft antwortet. Diese Mischung aus Gesang und spiritueller Praxis hat sich nun, einige Jahrhunderte später, zu einem weltweiten Phänomen ausgeweitet. Musiker wie Deva Premal & Miten oder Snatam Kaur gehören zu Stars in der Szene und füllen riesige Konzerthallen.

Und natürlich findet sich im Publikum das Klischee von weißen Leinengewändern und modischen Yoga-Armbändchen, die Wari Om, ein renommierter Yoga-Fotograf, der Co-Regie und Kameraarbeit übernahm, dementsprechend inszeniert. Aber man spürt auch die Essenz der Bewegung, die in der Luft schwingt: Verbundenheit. Religionen vermögen diese entweder nicht mehr zu geben, oder sie schließen Andersgläubige aus. In diesem Sinne geben die Kirtans den Menschen eine spirituelle Erfahrung zurück, nach der sie sich sehnen. Ohne dabei Macht zu behaupten. Sieht man im San Quentin Gefängnis in San Francisco gestandenen Männern beim Chanten zu, glaubt man jedoch ganz gewiß wieder an die Macht von Musik. 

Die Regisseurin läßt zahlreiche Künstler zu Wort kommen, die auch ganz unterschiedliche Stile praktizieren, darunter auch den Rapper MC Yogi aus New York oder C.C. White, die ihre musikalischen Wurzeln im Gospel, Soul und R&B hat. Interessanterweise ist es genau die Verschmelzung westlich geprägter Musikstile mit traditionellen Mantren, die auch im Ursprungsland Indien immer mehr Anhänger findet und so den Kreislauf der gegenseitigen Befruchtung schließt. Oder, wie es der britische Sänger Miten ausdrückt: „Durch Kirtan verbinden wir uns alle auf tiefer Ebene, jenseits von Persönlichkeit, Nationalität und Sprache.“

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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