D 2017, 79 min
FSK 12
Verleih: W-Film

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Julia Becker, Marc Ben Puch, Christian Natter, Charlotte Crome

Regie: Julia Becker

Kinostart: 26.04.18

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Maybe, Baby!

Gondeln im Nebel

Er will doch einfach nur ankommen, sagt Sascha irgendwann zu seiner Freundin Marie. Da liegen amouröse Fremdverstrickungen und ein Beziehungscrash schon hinter ihnen. „Einfach nur ankommen“ meint in diesem Fall: gemeinsames Leben, Kinder, das ganze Programm eben. Als ob ankommen je einfach oder überhaupt möglich wäre. Ist das Leben nicht vielmehr ein permanenter Transitraum? 

Wie auch immer, anfangs hopsen Sascha und Marie noch gemäß des Fruchtbarkeitskalenders miteinander in die Kiste, nach dem Akt werden schön die Beinchen in die Luft gestreckt, um die Aussichten auf eine erfolgreiche Befruchtung zu erhöhen. Kein Wunder, daß die flippige Mittdreißigerin angesichts dieser Verkrampfungen Muffensausen bekommt und sich anderweitig umschaut. Dumm nur, daß sie mit ihrer Affäre Lukas ausgerechnet an dem Wochenende auf die Berghütte von Freunden fährt, das sich auch ihr Dauerfreund Sascha ausgeguckt hat, um dort Zeit mit einer gewissen Birgit zu verbringen.

Der Lift ins Tal fährt am Wochenende nicht, draußen regnet es Bindfäden, und angebliche Bären schleichen um die Hütte. Da hat sich das Drehbuch also einiges ausgedacht, um seine vier widerwilligen Protagonisten auf engem Raum ohne Fluchtmöglichkeit zusammenzusperren. Leider zündet das komödiantische Pulver nicht so recht. Der Film agiert ähnlich unentschieden wie seine Figuren, für eine bissige Beziehungskomödie fehlt es an Sprachwitz und Beobachtungsschärfe, für ein berührendes Drama an Fallhöhe. So ist das Debüt von Regisseurin und Hauptdarstellerin Julia Becker eine lauwarme Dramödie um Leute in den besten Jahren, die nicht wissen, was sie wollen. 

Zwar hat der Film durchaus witzige Momente, der poppige Soundtrack sorgt für gute Stimmung, und Becker als Marie versprüht zweifelsohne Charme, aber insgesamt überwiegt der Eindruck von Unausgegorenheit. Das mag auch an der für einen Spielfilm unglaublich kurzen Produktionszeit von nur einem Jahr liegen, wie im Presseheft stolz verkündet wird. Becker und ihre Leipziger Produzentin Frauke Kolbmüller setzten auf flottes Crowdfunding statt auf langwierige Förderanträge. 

Ein poetisches Bild jedoch bleibt hängen: Auf der Rückfahrt ins Tal schweben die Gondeln des Lifts durch den nebligen Wald. Das illustriert sehr schön die Orientierungslosigkeit der Figuren, denen man die ganze Zeit zurufen möchte: Entspannt Euch doch mal!

[ Dörthe Gromes ]

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