CH 2026, 97 min
Verleih: Wild Bunch

Genre: Abenteuer, Drama, Kinderfilm

Darsteller: Paco von Wyss, Alma Büchenbacher, Max Hubacher, Christoph Gaugler, Ulrich Tukur

Regie: Markus Welter

Kinostart: 19.03.26

Mein Freund Barry

Guter Hund!

Einige vergangene Sekunden genügen, um diesen Gedanken aufploppen zu lassen, der gerade angesichts Familienfilmen doch ziemlich selten entsteht: sieht ja echt aus wie Kino! Daß es sich, eher obligatorisch, mit auf- und abschwellendem Orchestereinsatz gleichzeitig zu sehr danach anhört, sei daher klaglos ignoriert. Zumal Kinderaugen sicherlich jetzt schon leuchten, verdankt einer verwunschenen Märchenatmosphäre, welche indes brutale Härte abzumildern sucht.

Georg, zwölf Jahre alt, und Bruder Alfons sind auf der Flucht vor Krieg und Armut, Waisen außerdem. Als Georg zusammenbricht, liefert ihn Alfons im Bergkloster ab, schließt sich der Armee an. Der Knabe genest, arbeitet, erträgt Schikanen anderer Halbwüchsiger, knüpft parallel zarte Bande zur patenten Resi und findet im Stall einen Wurf Bernhardiner. Nun geht’s da rassebedingt zwar durchaus relativ phlegmatisch zu, einer der Hunde kommt dennoch überhaupt nicht auf seine vier Beine, natürliche Auslese soll greifen – weswegen Georg ihn Barry nennt und heimlich aufpäppelt.

Im Niedlichkeitszuckerguß des neuen Mensch-Tier-Freundschaftsgeschichtenkapitels fährt Barry selbstverständlich erfolgreich auf, was Welpen zu bieten haben, das Komplettpaket ruht sich allerdings nicht auf großen Augen und tapsigem Ungelenk aus. Sondern erzählt eine vergleichsweise spannende Geschichte, nimmt die nicht nur, aber eben auch junge Zielgruppe ernst, gibt im Dialog vielerlei Denkanstöße zum Weiterspinnen, ohne alles detailliert auszusprechen, unterbreitet ein kommunikatives Angebot, übt nie Zeigefingerdruck aus. Und behält im Blick, wie wichtig Unterhaltungswerte fürs Dranbleiben sind, weil Mitfiebern Bindung generiert. Etwa dann, wenn sich die atemraubende, majestätische Schönheit des Grossen Sankt Bernhard in Wimpernschlägen zur Gefahr wandelt, aus Idylle drohender Lawinentod rumpelt. Emotional unterstützend seufzt unterschwellige Melancholie, ein fiependes Fellknäuel läßt nicht einfach so vergessen, was den Brüdern geschah.

Es braucht keine vermeintlich überraschenden Charakterbeugen oder unvorhersehbaren Wendungen – innerhalb eines toll gespielten, bei souveräner Inszenierung das Erwartbare umfassenden Handlungsrahmens punktet der am Ende geöffnete Raum für Verzeihen sowie persönliches Fortentwickeln als zeitlos gültige Botschaft.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...