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Mein Führer

Wollt ihr die totale Satire?

Es gibt halsbrecherische Besetzungsmanöver, die nur für einen einzigen Film taugen. Dazu gehört der sogenannte "Helge-Schneider-Effekt", eine gar nicht komplizierte aber wirkungsvolle Ein-Mann-Finte, bei der rechts angetäuscht und links überholt wird. Dani Levy, der glückliche Erfinder, stellt seine Entwicklung nun in den Dienst der Kinounterhaltung - selbstlos und ohne jede Gebrauchsanweisung.

So kommt es, daß ein um Nase, Lippen und Bäckchen ausgestopfter, eigentlich unkenntlicher Doc Snyder diese Naziwelt in Atem hält - als Puppentheater-Karikatur des Herrn Hitler, als exzentrischer, vegetarischer, Harmonium spielender früher Vogel, der mit Scheitel und Bärtchen Würmer fängt. Doch der Führer leidet unter einer ausgewachsenen Endsiegdepression, die auch seine rhetorischen Fähigkeiten beeinträchtigt. Und das kurz vor seiner 44er Triumphrede im blühenden Berlin, das ihm der Albert so schön hinbauen wird inmitten der Bomben! Ihm zur Seite stellt man einen Herrn Schauspielprofessor Grünbaum, der aus dem beschaulichen Sachsenhausen, sozusagen von der Dusche weg, als Motivationstrainer verpflichtet wurde.

Tatsächlich kann einem schlecht werden bei so viel satirischer Unverschämtheit. Doch Levy befindet sich in ausgezeichneter Gesellschaft: Chaplin, Lubitsch, Brooks, die von Herrn Hitler nach einer komödiantischen Roßkur kaum Nennenswertes übrig ließen. Auch hier wird ein Vernichtungskrieg mit Lachsalven geführt - Pappmaché und Animationen als schlagendes Bild für die Speerschen Dörfer, ein H.H. im goldigen Trainingsanzug, Blondi im SS-Mäntelchen, die Reichskanzlei unter Zuckerwatte-Düster-Wolken gegen spukende aber geistlose Untergangsszenarien.

Auf die Gefahr hin, als Spielverderber zu gelten, sei dennoch auf das etwas abgegriffene Doppelgängermotiv hingewiesen, das tut, als hätte es Vorbilder nie gegeben. Mutig, vor allem aber wirklich schlagfertig ist diese quasi selbst-reflexive Komödie dort, wo sie sich (Helge-Schneider-Effekt!) ganz ausdrücklich und ohne Umschweife in die Tradition des echten Schmierentheaters stellt. Und da ist sie ganz gut aufgehoben.

D 2006, 90 min
Verleih: X Verleih

Genre: Komödie, Satire

Darsteller: Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth, Stefan Kurt, Ulrich Noethen, Lambert Hamel, Katja Riemann, Lars Rudolph

Stab:
Regie: Dani Levy
Drehbuch: Dani Levy

Kinostart: 11.01.07

[ Sylvia Görke ]