Originaltitel: MY COUSIN RACHEL

GB 2017, 106 min
FSK 6
Verleih: Fox

Genre: Literaturverfilmung, Drama, Erotik

Darsteller: Rachel Weisz, Sam Claflin, Holliday Grainger, Iain Glen

Stab:
Regie: Roger Michell
Drehbuch: Roger Michell

Kinostart: 07.09.17

1 Bewertung

Meine Cousine Rachel

Obsessionen auf Sparflamme

Frauen haben hier nichts zu suchen! Das lebte Ambrose seinem kleinen Cousin Philip vor, einem Waisenjungen, den er aufzog. Wir schreiben im Präteritum, der einleitende Off-Kommentar spricht analog, und gleich umfängt ungewisse Melancholie das Geschehen, erahnte Endgültigkeit, Hauch des Vergangenen. Tatsächlich hätte Ambrose lieber der eigenen Maxime vertraut, statt im Augenblick mangelnder Standhaftigkeit Rachel zu heiraten. Nach der Ehelichung offenbar plötzlich ein gebieterisches Miststück, eine gierige Schlange dazu, Ambrose fleht Philip, nunmehr erwachsen, brieflich um Hilfe an. Jener eilt herbei, aber zu spät: der Cousin verstorben, das Haus leer, Rachel verschwunden. Und eine Mörderin? Philip glaubt fest daran, trifft die vermeintliche Kriminelle – und entwickelt spontane amouröse Besessenheit.

Etwa 15 Minuten vergehen, dann erscheint Rachel Weisz als titelgebende Namensvetterin auf der Leinwand und wirbelt dort einigen Staub auf. Hauptsächlich solchen, der bislang steifes Schauspiel, zwischen künstlerisch und künstlich changierenden Dialog sowie gleichermaßen sorgfältig und perfektionistisch kühl drapiertes Inventar (selbst beim Food Styling waren Expertenhände am Werk) bedeckte. Weisz läßt, allerdings zunehmend exaltiert, Gesichtsausdrücke regelrecht explodieren, Mimik in Scherben brechen, ist mal unbedarftes Mädchen und mal zänkisches Weib. Eine kampfbereite Seele, die sich dem für ihre Geschlechtsgenossinnen reservierten Oberbegriff „Ihresgleichen“ verweigert: Diesem Inbegriff anziehender Unabhängigkeit, vielleicht auch schlicht kalkuliert manipulativer Verführung verfällt Philip quasi widerstandslos, und das Unglück beginnt richtig.

Naturgewalt Rachel zur Seite steht und am bebenden Busen klebt nämlich nur ein blasser Bub ohne Verführungspotential; wenn’s knistert, sind das weder funkende Erotik noch brennende Leidenschaft, sondern lediglich die gedanklich umgeblätterten Drehbuchseiten. Logischerweise fällt da unser Pärchen zum Premieren-Beischlaf nicht übereinander her, sondern muß gesittet erst ins Bett kriechen. Drama, Mysterium und Thrill gehen im Schmonzes baden, die 1952 entstandene Erstadaption des Stoffes, damals wohl heftig gewagt und feministisch vorreitend, räumte dafür vier OSCAR-Nominierungen ab, anno 2017 sollte der Preisregen indes weit sparsamer tröpfeln. Immerhin verhindern wenigstens manchmal meisterlich komponierte Bilder, an denen sich schier zu besaufen keine Mühe macht, allzu nüchterne Betrachtungen. Hinhören jedoch … besser bloß mit halbem Ohr. Andererseits: Wird beispielsweise der dramaturgisch wichtige Absturz einer riesigen Klippe Springflut und Vollmond angelastet, fragt man, bereits länger eingelullt oder gar betäubt, kaum weiter nach.

Ja, es gehört ausgeharrt, bis schließlich kurz vorm recht beiläufig abgehandelten Finale ein publikumsseitig flehentlich geteilter Wunsch ertönt, gefolgt von wahren Worten: „Bereite der Sache ein Ende. Ich bin zu müde.“

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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