Originaltitel: FIGLIA MIA

D/I/CH 2018, 98 min
FSK 12
Verleih: Real Fiction

Genre: Drama

Darsteller: Alba Rohrwacher, Valeria Golino, Udo Kier

Regie: Laura Bispuri

Kinostart: 31.05.18

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Meine Tochter

Zwischen zwei Müttern

Mutter – welche Erwartungen und Assoziationen hängen an diesem Wort! Mütter werden innig geliebt und abgrundtief gehaßt, sie werden als Quasi-Heilige verehrt und gleichzeitig für alle Lebensfehler ihres Nachwuchses verantwortlich gemacht. Eine gute Mutter soll ihre Kinder selbstlos und aufopferungsvoll lieben, ihr eigenes Wohl stets zurückstellen. In diesem Sinne erfüllt Tina die Mutterrolle perfekt. Geradezu gluckenhaft bemuttert die einfache Arbeiterin ihr einziges Kind Vittoria. Die Beziehung zu ihrem Mann vernachlässigt sie darüber. Die 10jährige Vittoria ist ein schüchternes und folgsames Mädchen, das immer etwas abseits steht. Mit ihren roten Haaren und der blassen Haut sticht sie auf Sardinien besonders hervor.

Von Angelica hingegen erwartet niemand, daß sie jemals eine gute Mutter sein könnte. In den Augen der Insulaner ist die vulgäre Trinkerin und Gelegenheitshure für nichts gut. Sie lebt außerhalb der Stadt mit ein paar Tieren auf einem heruntergekommenen Hof, den sie wegen Überschuldung zu verlieren droht. Und doch besitzt sie eine anziehend wirkende, wilde Zärtlichkeit. Die zwei gegensätzlichen Frauen verbindet ein Geheimnis, das vor allem Tina auf ewig mit aller Macht im Verborgenen halten möchte. Sie ist bereit, weit dafür zu gehen, sehr weit.

Instinktiv spürt Vittoria die Auslassungen in den Erzählungen der Erwachsenen, wenn es um sie selbst geht. Reden tun sie ohnehin nicht viel. Nach einer zufälligen Begegnung mit Angelica beginnt das junge Mädchen auf seiner Suche nach der eigenen Identität, die von Tina vorgegebenen Wege zu verlassen, was diese in eine tiefe Verzweiflung stößt.

MEINE TOCHTER steht mit seinen realen Schauplätzen und der dokumentarisch-spröden Erzählweise in der großen Tradition des italienischen Neorealismus. Regisseurin Laura Bispuri genügen Andeutungen, um ihre Geschichte zu erzählen. Unter den meditativen Aufnahmen der kargen Küstenlandschaft Sardiniens im flirrenden Sommerlicht liegt eine untergründige Spannung, die sich langsam aufbaut und schließlich dramatisch entlädt. Es gelingt ihr, die unterschiedlichen Perspektiven ihrer drei Hauptfiguren aufzuzeigen und ihnen gerecht zu werden.

Alba Rohrwacher als Angelica und Valeria Golino als Tina bilden zusammen mit Nachwuchsschauspielerin Sara Casu ein phänomenales Trio, das mit seinem intensiven Spiel gefangen nimmt. Am Ende begreifen alle drei Figuren: Wen man liebt, den muß man freilassen.

[ Dörthe Gromes ]

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