D 2018, 80 min
FSK 0
Verleih: Filmperlen

Genre: Dokumentation, Biographie, Musik

Regie: Marie Reich

Kinostart: 10.01.19

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Meine Welt ist die Musik

Schokoladenseiten eines freundlichen Herren

Liebeskummer lohnt sich nicht. Ein bißchen Spaß muß sein. Wunder gibt es immer wieder. Heidi. Hinter den Kulissen von Paris. Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben. Marmor, Stein und Eisen bricht ...

Stop! Spätestens hier müßte es einen Wiedererkennungseffekt geben. Denn selbst der größte Schlagerignorant dürfte diesem Gassenhauer aus dem Jahre 1965 schon mal begegnet sein. Drafi Deutscher hat’s gesungen, dieses „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht“ – aber wer hat’s komponiert? Und all die anderen, oben aufgezählten Titel, die nur der Bruchteil eines schier unendlichen Œuvres sind?

Christian Bruhn war’s. Ein freundlicher Herr, Jahrgang 1934. Und ein Komponist mit glücklicher Hand für eingängige Melodien. Ein Arbeitstier außerdem. Und einer, der das geistige Klima der alten Bundesrepublik wenn vielleicht auch nicht geprägt, so doch maßgeblich musikalisch illustriert hat. Die Dokumentarfilmerin Maria Reich hat diesem Mann jetzt ein Porträt gewidmet. Eins mit vielen Weggefährten, die zu Wort kommen. Und eins, das sich diesem Mann von der dokumentarischen Schokoladenseite nähert.

Denn alles ist hier mit allem im reinen. Harmonie, wo man hinschaut. Eine Reise in die heile Welt des Schlagers, die dabei durchaus kurzweilig, amüsant, interessant auch geraten ist – und die Entscheidendes vermissen läßt. Nämlich den wenigstens kurzen Blick auf charakterliche Untiefen. Wohlgemerkt: Es geht nicht um Voyeurismus, das Desavouieren eines Menschen. Aber es geht um die kleinen Schatten des Kontrastes in der dauersonnigen Gemütslage. Den Molleffekt im Dur. Ein Dokumentarfilm ist schließlich kein Schlager. Ein Umstand, den Regisseurin Marie Reich nicht wirklich verinnerlicht hat.

So wäre etwa interessant gewesen, was Bruhn beispielsweise zur Zeit der 68er zu sagen gehabt hätte, als man jedweder bürgerlich heilen Welt den rebellischen Stinkefinger zeigte, Schlager gar als politisch reaktionär brandmarkte. Oder man hätte mehr hören wollen über die nur kurz und wie aus Versehen erwähnte Härte, mit der Bruhn auch im Privaten agieren konnte. Und auch darüber, wie sich das im Laufe dieses Lebens in jene sympathische Gelassenheit wandelte, mit der der Mann heute in die Kamera spricht. In dieser Doku der beredten Leerstellen.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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