Originaltitel: MICHAEL CLAYTON

USA 2007, 120 min
Verleih: Constantin

Genre: Thriller

Darsteller: George Clooney, Tom Wilkinson, Tilda Swinton, Sydney Pollack

Regie: Tony Gilroy

Kinostart: 28.02.08

1 Bewertung

Michael Clayton

Eleganter Thriller über Korruption

"Michael!" - eine fahrige Stimme spricht im Wahn aus dem Off, während die Kamera durch die Hallen einer New Yorker Anwaltskanzlei fährt. Im fiebrigen Tonfall erzählt ein Mann vom bitteren Moment der Erkenntnis, daß die gesamten vergangenen Jahrzehnte eine einzige Lüge waren. Wir sehen eine gehetzt wirkende Frau, die über einem Waschbecken nach Luft ringt, und schließlich ein explodierendes Auto.

Dem entstieg nur knapp zuvor Michael Clayton. Er ist eine Art Cleaner der Kanzlei, ein Mann ohne Eigenschaften, der immer dann ins Spiel kommt, wenn die Luft brennt. Wenn ein Klient der Kanzlei einen Mann angefahren und Fahrerflucht begangen hat, zum Beispiel. Dann setzt er Mechanismen in Bewegung, sorgt für rechtlichen Beistand und kalkuliert kühl die Möglichkeiten. Aber Clayton hat seine Schattenseiten, er ist spielsüchtig und hat sich dabei bereits mehr als einmal gehörig verbrannt. Als sein scheinbar psychisch gestörter Kollege Arthur Edens außer Kontrolle gerät, wird Michael gerufen. Er macht wie üblich seinen Job, versucht Arthur ruhig zu stellen und sich nicht durch seine Freundschaft beeinflussen zu lassen. Doch bald entdeckt er die Quelle des Wahnsinns: sein Freund ist in einen Ameisenhaufen aus Korruption und Kaltblütigkeit gestoßen, wobei der Chemiekonzern U/North eine zentrale Rolle spielt.

Regisseur Tony Gilroy, der bereits mit den Drehbüchern der Bourne-Trilogie zeigte, wie man einen knackigen Thriller auf das Wesentliche reduziert, legt nun mit diesem teils schwer verdaubaren Brocken nach. Keine Liebesgeschichte stört die Handlung, keine verspielten Actionsequenzen verwässern den Plot - kalkuliert und nüchtern wird von Macht und deren Mißbrauch protokolliert. Nach ordentlichem Tempo zu Beginn tritt Gilroy im richtigen Moment auf die Bremse, blendet zurück und fordert filmüber volle Aufmerksamkeit beim Betrachter.

George Clooney fährt wie schon in SYRIANA die harte Tour einer dunkel schillernden Identifikationsfigur, sein Clayton ist ein bisweilen charakterloser Geist, vor dem sich plötzlich als undenkbar erachtete Abgründe auftun. Ihm zur Seite Tilda Swinton, die als kaltblütige Konzernchefin erneut Mut zum uneitlen Spiel beweist. Und schließlich Tom Wilkinson, einer der markigsten Nebenrollenabonnenten des zeitgenössischen Kinos, spielt einmal mehr den Wahnsinn mit der geschätzten Intensität. MICHAEL CLAYTON ist ein eleganter Thriller, der den Zuschauer bis zum ernüchternden Schluß ernst nimmt.

[ Lars Tunçay ]

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