Originaltitel: WITHIN THE WHIRLWIND
D/Belgien/F/Polen 2009, 100 min
FSK 12
Verleih: NFP
Genre: Biographie, Drama
Darsteller: Emily Watson, Ulrich Tukur, Ian Hart, Benjamin Sadler, Agata Buzek
Regie: Marleen Gorris
Kinostart: 05.05.11
Und diese Frau hieß Eugenia Ginzburg, war Professorin für russische Literatur in Kasan, regimetreues Parteimitglied – und Opfer. Unschuldig als „Trotzkistin“ angeklagt, weigerte sie sich, die erhobenen Anschuldigungen zuzugeben. Die Strafe: zehn Jahre im sibirischen Arbeitslager. Dieser Film folgt ihrer Biographie.
Leider erwehrt man sich dabei kaum des Eindrucks, daß sowohl Marleen Gorris’ Inszenierung als auch Emily Watsons übergroße Darstellung auf den nächsten Filmpreis schielen. Dazu gehört dann zwar, daß manchmal eine Leiche im Schnee liegt, aber zu arge Grobheiten will Gorris ihrem Publikum dann doch nicht zumuten: Unmenschliche Temperaturen unter minus 50 Grad werden lediglich verbal angerissen, die Lager-Insassinnen nehmen trotz jahrelangen Martyriums nicht sichtbar ab, ein wenig dekorativer Schmutz auf nackter Haut versinnbildlicht unhygienische Zustände, und im Fall einer Gefangenen reicht es (Anschlußfehler?) sogar für eine reparierte Brille. Hauptsächlich bleibt das nominelle Leid schön bebildert und scheut selbst vor entschlossenen Handlungssprüngen nicht zurück. Zum Beispiel macht Ginzburg dem Lagerarzt Anton Walter eben noch die Hölle heiß, als er ihr helfen will, dann nimmt sie sein Angebot Sekunden später an und wälzt sich einige Wimpernschläge weiter mit dem Doktor im Bett.
Beeindruckend auch, wie spontan die Gebeutelte von tiefster Trauer auf „Zurück ins Leben“ schalten kann. Gegen diese grob gehauene Figurenzeichnung, welche zudem nur in „edel gut“ und „gesichtslos böse“ teilt, spielt Ulrich Tukur zwar überzeugend an, doch viel kann er nicht retten. Zumal Gorris zu oft einer modernen Unsitte verfällt: Wenn gar nichts anderes mehr geht, psalmt Ginzburg zwecks Überlebensmotivation aus dem Off russische Lyrik. Was da bleibt, ist dem Thema unangemessenes, eigentlich sogar bedenkliches Pathos Galore.
Letzter Hinweis am Rand: Weil hierzulande scheinbar Mangel an Synchronsprechern herrscht, durfte Petra Barthel die weibliche Hauptrolle übernehmen, weswegen aus Ginzburgs Mund Nicole Kidmans, Julianne Moores und Uma Thurmans deutsche Stimme tönt. Das irritiert, außerdem harmoniert Barthels rollend-gutturales Organ ungeachtet allen Talentes nur bedingt mit Watsons herber Ausstrahlung. Zu hoffen bleibt für angesichts jeder Schwäche trotzdem Interessierte daher auf OmU-Einsatz im Repertoireprogramm.
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme mit Wahrheit. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Und Frank kann GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...
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