Originaltitel: MOLLY’S GAME

USA 2017, 140 min
FSK 12
Verleih: SquareOne

Genre: Biographie, Drama

Darsteller: Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner

Regie: Aaron Sorkin

Kinostart: 08.03.18

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Molly’s Game

Verquatscht am Pokertisch

Molly Bloom also. Nein, nicht die Frau von Leopold aus Dublin, sondern jene, die als „Hollywoods Poker-Prinzessin“ (Stern) eine gewisse Berühmtheit erreichte. Eine Frau, intelligent, attraktiv, sehr sophisticated. Ganz und gar Ehrgeiz und umweht von der zumal fürs Kino unwiderstehlichen Aura der Halbwelt. In MOLLY’S GAME erzählt jetzt Drehbuchautor und Regisseur Aaron Sorkin die ungewöhnliche Geschichte dieser ungewöhnlichen Frau. Allerdings liegt beim Wort „erzählen“ auch schon der Hase im Pfeffer. Doch dazu gleich mehr.

Es hätte auch eine Kariere im Freestyle-Skifahren für Molly geben können. Ihr ehrgeiziger Vater hatte alles daran gesetzt, die Tochter das ihre getan, dem gerecht zu werden. Bis zu den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City hat sie es geschafft. Doch ein schwerer Sturz zerschmettert alle Träume von der Sportkarriere. Aber weil auch das Schicksal gern pokert, läßt es Molly bald darauf auf Menschen treffen, die sie ins Glücksspielmilieu einführen. Schnell merkt Molly, daß sie hier mit ihrer Art und Intelligenz verdammt viel Geld machen kann. Als Veranstalterin exquisiter Pokerrunden wird sie der Star der Szene. Doch wo die Einsätze steigen, steigt das Risiko auch. Der nächste harte Sturz wird folgen.

Nach den Erinnerungen von Molly Bloom schrieb Sorkin sein Drehbuch, eins, dessen narrative Grundkonstante das schier pausenlose und zu gut 70 Prozent völlig leerlaufende Off-Stimmen-Gelaber der Titelheldin ist. Ein eklatanter Mangel an filmischem Erzählvermögen, der umso schwerer wiegt, als daß mit Jessica Chastain als Molly eine formidable Schauspielerin auf der Leinwand agiert, die in einer einzigen gestischen oder mimischen Nuance zu verdichten weiß, was ohne Rücksicht auf Verluste aus dem Off wieder zerredet wird. Daß eine Kritikerin des Deutschlandfunks konstatierte, der Film „lebe“ neben seiner Hauptdarstellerin von den Voice-Over-Kommentaren, ist eigentlich nur damit zu entschuldigen, daß man beim Kulturradio wohl eine größere Toleranz gegenüber nichtssagenden Wortfluten hegt.

Wenn dieser Film „lebt“, dann jedenfalls immer dann, wenn der Off-Kommentar schweigt. Wenn Sorkin sein starkes Darsteller-ensemble das machen läßt, was es kann: Szenen spielen, Dialoge sprechen, Nuancen und Gesten forcieren, Untiefen ausloten. Cool und sexy sein natürlich auch. Lebensbehauptungen des Kinos gegens Totgequatschtwerden.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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