Originaltitel: MY BLUEBERRY NIGHTS
HK/China/F 2007, 111 min
Verleih: Prokino
Genre: Drama, Liebe
Darsteller: Norah Jones, Jude Law, David Strathairn, Natalie Portman, Rachel Weisz
Regie: Wong Kar-wai
Kinostart: 24.01.08
Alle Geschichten des Lebens sind tausendfach erzählt worden, und ab einem gewissen Alter hat man fast schon jede selbst erlebt. Man hat sich verliebt und dachte es wäre für immer, man wurde verlassen und hat verlassen, und der Tod ist plötzlich auch mehr als nur eine imaginäre Vorstellung. Rationale Entscheidungen werden getroffen, mit der leisen Hoffnung im Herzen, daß doch noch irgendwo jemand auf einen wartet.
Wong Kar-wai ist ein Meister darin, die menschlichen Befindlichkeiten nebst ihrer zwischenmenschlichen Geflechte aufs Ästhetischste zu verknüpfen und mit überwältigenden Bildern auf die Leinwand zu bringen. In CHUNGKING EXPRESS, FALLEN ANGELS und erst Recht in IN THE MOOD FOR LOVE hat er jeweils eine völlig eigene visuelle Sprache gefunden, um Emotionen fühlbar zu machen. Seine wunderbaren Bilder gingen ohne intellektuelle Umwege direkt in den Bauch. Mit der Geschichte von Elizabeth und Jeremy verhält es sich anders. Wenn man vergleicht. Zwar arbeitet der Hongkonger Regisseur in einer Mischung aus Roadmovie, Tagebuch und Kammerspiel wieder mit schönen Menschen, magischer Musik und zaubert Blaubeerkuchenduft und Sehnsucht in den Kinosaal - immer dann, wenn Jude Law Norah Jones die Schlagsahnereste von den Lippen küßt. Jedoch vermißt man die Magie des Unverwechselbaren und wird leider das Gefühl nicht los, daß es dem Film an einer inneren Geschlossenheit mangelt. Aus der Perspektive einer Überwachungskamera gefilmt, mit satten, warmen Farben und dem Abendhimmelblau aus 2046 zitiert sich Kar-wai selbst und reicht doch nicht an sein Werk heran. Auch können die meisten begnadeten Sängerinnen leider nicht ebenso schauspielern.
Trotzdem möchte man jedes Gleichnis unterschreiben, das Jeremy hinter der Bar seines New Yorker Cafés zu erzählen weiß, wenn Lizzie Nacht um Nacht liebeskummerkrank bei ihm strandet. Man öffnet gerne verschlossene Türen und begibt sich mit ihr auf die Reise zu sich selbst, die sie nach Memphis, Tennessee, Las Vegas und schließlich wie erwartet zurück zu Jeremy und seinem Blaubeerkuchen führt.
Reicher um die Erkenntnis, daß man die Momente der Liebe leben muß, ohne rückblickend zu vergleichen. Und daß dies besser auch für die Filme eines genialen Künstlers gelten sollte, wenn man nicht unzufrieden bis zum nächsten großen Wurf ausharren möchte.
[ Susanne Schulz ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...
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