Originaltitel: MYSTIFY: MICHAEL HUTCHENCE

Australien 2019, 102 min
FSK 12
Verleih: Happy Entertainment

Genre: Dokumentation, Musik

Regie: Richard Lowenstein

Kinostart: 30.01.20

Noch keine Bewertung

Mystify: Michael Hutchence

Was von Rockertagen übrigblieb

Immer mehr Musikdokus kommen ins Kino, die von intimen Begleitern der porträtierten Künstler erschaffen wurden. So, als würde der Eintritt in deren Universum gleichzeitig die Lizenz zum späteren Auswerten bedeuten. Glück ist, wenn es kein Ausschlachten wird. Der biographische Musikdokumentarfilm fristet trotzdem ein eher kümmerliches Dasein. „Da höre ich doch lieber Songs und gehe in Konzerte“, schnaubt es im Zielzuschauer. Selbst die großartigsten Streifen – genannt seien SEARCHING FOR SUGARMAN über Sixto Rodriguez sowie IT MIGHT GET LOUD mit Jimmy Page/The Edge/Jack White – blieben weitestgehend mit sich allein. Zuletzt aber schien es, als zöge das Genre an. Über 25000 Neugierige für MARIANNE & LEONARD über Leonard Cohen samt Muse waren überraschend, die Filme über PJ Harvey, Aretha Franklin, Miles Davis und die Swans zumindest qualitativ überzeugend. Ein Level, das MYSTIFY: MICHAEL HUTCHENCE verpaßt.

Regisseur Richard Lowenstein ist so ein Intimus. Er war mit dem charismatischen Sänger der australischen Band INXS befreundet, drehte für sie Clips, begleitete Touren, ist Jäger und Sammler. Da auch Hutchence fleißig auf Homevideo-Niveau seinen Alltag filmte, lag kübelweise Stoff vor. Gerade erst wäre Hutchence 60 geworden, hätte er sich nicht mit 37 erhängt.

Stilistisch ist nichts neu oder überraschend an diesen 102 Minuten. Außer vielleicht, daß Bono endlich einmal fehlt, obwohl er spricht. MYSTIFY: MICHAEL HUTCHENCE kommt gänzlich ohne sichtbare sprechende Köpfe aus – außer dem Protagonisten und seinem engsten Zirkel zu damaliger Zeit. Dennoch sind Zitate aus der Familie oder dem Umfeld sowie von Hutchences Frauen, speziell Kylie Minogue, Helena Christensen und Paula Yates, ausführlich zu hören und sollen ihn (be-)greifbar machen. Der Schnitt ist dafür allerdings zu wild, der Split-Screen zu forsch im Einsatz, das Bildmaterial zu austauschbar, die Ruhe, in INXS-Liedern zu verweilen, schlichtweg nicht vorhanden.

Für strenge Fans bleibt der Film dennoch sehbar. Selbst für jene, denen die Tragik des Michael Hutchence samt seiner Musik bislang vielleicht entgangen ist, wird sich etwas finden lassen. Und sei es die Bosheit eines Liam Gallagher, der mit Oasis aus den Händen von Hutchence eine Trophäe bekam und zündelte: „Ehemalige sollten keine verdammten Preise an Kommende vergeben.“

[ Andreas Körner ]

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