Originaltitel: NON-STOP

USA/F 2013, 106 min
FSK 12
Verleih: StudioCanal

Genre: Action, Thriller

Darsteller: Liam Neeson, Julianne Moore, Scoot McNairy

Regie: Jaume Collet-Serra

Kinostart: 13.03.14

1 Bewertung

Non-Stop

Spannungs-Konstrukt wirkungsvoller Art

Über den Wolken kann das Leben ein Alptraum sein. Oder einfach nur quälend öde. Air Marshall Bill Marks, einer, der seine ganz persönlichen Alpträume eher schlecht als recht im Griff hat, quält sich jedenfalls ziemlich mit seinem Job. Das ewige Sitzen im Flugzeug, die schlechte Luft, die engen Gänge, die Anspannung, die Zeit, die beim interkontinentalen Hin-und-her-Fliegen eben so gar nicht verfliegt. Doch klar, all das ist besser in seiner deprimierenden Routine als das, was dann auf dieser Tour von New York nach London passiert. Kurz nach dem Start erhält Marks eine SMS: 150 Millionen sollen auf ein bestimmtes Konto überwiesen werden, sonst würde alle 20 Minuten ein Mensch in diesem Flugzeug sterben. Es dauert nicht lange, und Marks muß erleben, daß dies kein blöder Scherz war.

Gut, gleich an dieser Stelle für die „Ist ja total unrealistisch“-Fraktion: Nicht anschauen diesen Film! Ist der doch tatsächlich ziemlich unrealistisch, weil total konstruiert. Außerdem überkandidelt in der finalen Rätselauflösung und dann auch noch offensichtlich überhaupt nicht dran interessiert, das alles zu kaschieren.Denn ja; NON STOP ist eine Thriller-Konstruktion, die ganz bewußt das Konstruierte zelebriert. Und das geht so: Man bringe einen seelisch angeknacksten Helden (Mr. Marks, dem Liam Neeson Charisma und Kontur gibt) in eine maximal ausweglose Situation auf maximal begrenztem Raum (Flugzeug) bei gleichzeitig genügend Personal (Besatzung, Passagiere), um mit etwaigen Verdächtigen und, klar, Opfern die Spannungsschraube maximal anzuziehen.

In NON-STOP funktioniert das prächtig. Weil sich alles rigoros einer erzählerischen Priorität unterordnet: Suspense. Die Charakterzeichnung, die Überraschungs-Schlenker und kleinen Finessen in den Figurenkonstellationen haben keinen anderen Grund, als die Klaustrophobie, das Mißtrauen, das Belauern, die zunehmende Panik und nicht zuletzt die Isolation des Helden zu verstärken. Was das angeht, zeigt Regisseur Jaume Collet-Serra (ORPHAN – DAS WAISENKIND, UNKNOWN IDENTITY) erneut, was er kann. Und vielleicht zeigt er es hier sogar am besten, auch weil er das, was er auch noch kann, Action nämlich, paßgenau einfügt. Man schaue nur die exzellent montierte Klopperei zwischen Marks und einem Wiedersacher in der absurden Enge der Bordtoilette. Handwerkliche Könnerschaft, die Materialschlachtexplosionen nicht nötig hat.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.