Originaltitel: COMME UN AVION

F 2015, 104 min
FSK 0
Verleih: Prokino

Genre: Komödie

Darsteller: Bruno Podalydès, Sandrine Kiberlain, Agnès Jaoui, Vimela Pons

Regie: Bruno Podalydès

Kinostart: 19.05.16

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Nur Fliegen ist schöner

… und sei es mit Paddel!

Die Filmgeschichte, auch die jüngere, ist reich an atemberaubenden ersten Begegnungen: unvergessen der eröffnende Straßenblick von Léa Sedoux und Adèle Exarchopoulos in BLAU IST EINE WARME FARBE. Grandios das, was Lilith Stangenberg gerade in WILD überwältigt hat. Bei ihr ist es ein Wolf, in NUR FLIEGEN IST SCHÖNER verliebt sich Bruno Podalydès nicht minder heftig und entscheidend in – ein Kajak.

Das mit dem Fliegen hat bei Michel nie funktioniert. Nur ein paar Bilder von Schwebe-Pionieren an der Wand, Modelle en miniature im Schrank und der schüchterne Traum vom Abheben haben sich gehalten. So nüchtern allerdings, wie Michel auf den Gutschein für ein Flugwochenende als Geburtstagsüberraschung seiner Frau Rachelle und seiner Freunde reagiert, wird klar: Dieser blasse Mann in seinen angeblich besten Fünfzigern hat mehr Angst als Vaterlandsliebe.

Dann das Foto! Kajak Grand Raid 416 mit Bauanleitung, elegante Schwünge in Holz, feinste Leisten und eine anschmiegsame Haut – der Grafikdesigner mit Hang zum unbestimmten Schwärmen muß dieses Teil einfach besitzen. Wo andere Männer seines Alters atemlose Luftgitarre spielen, verlegt sich Michel aufs Fuchteln ohne Paddel. Bis er auf der Dachterrasse ins tatsächliche Basteln verfällt und am Tag X zu verkünden weiß: Voilá, Rachelle! Auch ich bin dann bald mal weg!

Für NUR FLIEGEN IST SCHÖNER findet Bruno Podalydès mit eigenem Drehbuch und unter eigener Regie schnell eine Note, die er auf äußerst vergnügliche Weise durchhalten wird. Die Gags sind nicht plärrend, sondern so leise wie lustig. Das in der Filmgeschichte, auch der jüngeren, ausgelatschte Sujet der Selbstfindungspause mit integrierter Reinkarnation zu Lebzeiten wird nicht ausgereizt, sondern nur eingetönt. Mit Farben wie Charme, Poesie und Sinnlichkeit.

Die Wellen, die Michel zu schlagen weiß, sind zwar flach, für ihn selbst jedoch von entscheidender Amplitude. Denn er wagt sich auf den Fluß hinaus, hochgerüstet wie ein exquisiter Globetrotter. Von der Liebsten am Ufer verabschiedet, als zöge er in den Krieg. Doch schon der erste Rastplatz gerät ihm zum reizvollen Verhängnis. Wie wäre es wohl hierzubleiben und trotzdem zu verreisen? Da sind die reife Wirtin Laetitia, ihre unverschämt bezaubernde Kellnerin Mila, da sind zwei schräge Kerle, Wein, Absinth und erst spät die Tücken eines GPS-Signals. Michel, ma belle!

[ Andreas Körner ]

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