D 2017, 99 min
Verleih: Constantin

Genre: Action, Drama

Darsteller: Moritz Bleibtreu, Birgit Minichmayr, Edin Hasanovic, Kidi Ramadan

Regie: Özgür Yildirim

Kinostart: 25.01.18

Nur Gott kann mich richten

Dicke Eier, dünnes Hirn

Der Titel des Films, er haut schon mal auf den Putz. Klingt so großkalibrig, brustgeschwollen, breitbeinig, wie man es wohl sein muß, wenn man sich auf dem harten Pflaster eines Molochs wie Frankfurt am Main durch die Schattenseiten der Kriminalität bewegt. Wie Ricky etwa, der davon ein Lied singen kann. Oder passenderweise eher so Gangster-Rap-mäßig rappen. Yo! Denn Ricky, der saß fünf Jahre im Knast, wegen eines vergeigten Überfalls. Und auch wenn der Ricky jetzt nach seiner Entlassung lieber fern der Kriminalität leben möchte, muß das Geld für solch’ ein Leben erst einmal verdient sein.

Etwa mit einem weiteren, dieses Mal aber fingierten Überfall. Finsteren Albanern soll Ricky 2,5 Kilo Heroin abnehmen. Und das im Auftrag dieser Albaner. Linkes Ding, klar. Aber was soll schon passieren? So geht’s Ricky an, mit Kumpel Latif und Bruder Rafael. Und man muß es einfach sagen: Vielleicht hätte all das, was dann folgt, schiefläuft, Menschenleben kostet, nicht passieren brauchen, wenn nur einer dieser Typen etwas weniger dämlich und unprofessionell wäre, als es der Fall ist.

Was einen ja dann im Grunde auch diesen Film inklusive seines ewig öden Dicke-Eier-Jargons erspart hätte, mit dem sich Regisseur Özgür Yildirim einmal mehr am Genrekino versucht. Und einmal mehr eben mit ganz dicker Hose sein Handlungskarussell in eine Rotation versetzt, in die dann unter anderem auch noch Polizistin Diana gerät. Die nämlich braucht dringend Geld für die Operation ihrer herzkranken Tochter, und für einen Augenblick hofft man, daß Yildirim, der auch das Drehbuch verantwortet, hier mal eine interessantere, mithin klügere Figur gelänge. Zumal die Schauspielerin Birgit Minichmayr für eine solche fraglos geeignet ist.

Allein: Pustekuchen! Selbst als verzweifelte Mutter wäre eine wie diese Diana immer auch noch die erfahrene Polizistin, als die Yildirim sie ja einführt. Daß dieser Frau nun just die Tasche mit dem Heroin in die Finger gerät, kann man dabei drehbuchmäßig noch durchwinken. Daß Diana aber bald durchs Frankfurter Bahnhofsviertel latscht und das Zeug auf eine Art zu verscherbeln versucht, ob derer man sich fragt, warum sie nicht gleich einfach eine Annonce aufsetzt, ist dann allerdings vor allem eins – symptomatisch für einen Film, der sowohl als Thriller wie als Drama zwar ganz schön die Muskeln spielen läßt, aber ob dessen man richtend vor allem eins resümieren muß: Ein bißchen mehr Hirn hätte allseits geholfen.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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