D 2026, 120 min
Verleih: Mindjazz

Genre: Biographie, Dokumentation, Sport

Regie: Peter Wolf, Axel Gerdau

Kinostart: 05.03.26

On The Wave

Vom Brett, das die Welt bedeutet

Wie war das doch gleich mit dem schönsten Nebeneffekt des Kinos? Teilhabe an einem Leben, das man selbst nie führen würde. Als professioneller Surfer zum Beispiel, genauer, Big-Wave-Surfer mit 26,21 Meter Wellenweltrekord. „Irre! Einfach irre!“, heißt es an einer Stelle, und, bitte, wer würde da etwas Adäquates erwidern wollen? Sebastian Steudtner selbst findet Worte dafür, er ist dieser Surfer, der nicht nur auf der Welle sein will, sondern immer On The Top.

Das Ausnahmetalent hatte sich in den 2000ern gegenüber den Etablierten der Brettwelt die Frechheit herausgenommen, sie von der Lebkuchenstadt Nürnberg aus herauszufordern. Mit 16 ließen ihn die Eltern schon ziehen, in Hawaii fand er eine neue, dann native Familie, lernte alles über Helden, Technik, Kultur des Surfens und lernte sie kennen, enterte als No Name eine Szene, die bißfeste Konkurrenz kennt, Besitzansprüche und Rassismus.

Nach einer Stunde landet die freilich vor allem bildwuchtige Doku von Peter Wolf und Axel Gerdau an einem Punkt, von dem aus sie, trotz Längen, echte Essenz bekommt, spektralfarbiger wird, noch mal interessanter. Denn Steudtner wird hart aufschlagen, und es liegt an keiner Monsterwelle, sondern am peinlichen Gehabe eines erzdoofen US-amerikanischen Surferlegendensprößlings, der ihn 2010 bei der Verleihung eines wichtigen Awards als „Stiefsohn von Hitler“ bezeichnen und ihn schwer beleidigen wird. Von da an zieht ON THE WAVE inhaltlich an, zeigt Steudtners Weg als aggressionsresistenter Steh-auf-Typ in Europa, erst in Irland, dann Portugal, immer wieder marmoriert von spektakulärem Sport und mächtiger Natur, aber auch von Menschen, die eben auf einer Wellenlänge sind.

[ Andreas Körner ]