D 2007, 93 min
Verleih: Universum

Genre: Komödie

Darsteller: Tim Wilde, Stefan Jürgens, Andreas Giebel, Sascha "Sasha" Schmitz, Götz Otto

Stab:
Regie: Oliver Mielke
Drehbuch: Oliver Mielke

Kinostart: 28.02.08

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Ossi’s Eleven

Elf Freizeitgauner sollt ihr sein

Streiken Amerikas Autoren, schreit die Branche auf, werden Serien auf Eis gelegt und fallen Preisverleihungen aus. Doch was passiert, wenn deutsche Drehbuchschreiber ihren Job niederlegen? Tja – das Ergebnis kommt unter dem obigen Titel ins Kino ... Anders als mit Arbeitsverweigerung kann man es wirklich nicht erklären, dieses Pseudo-Komödchen im gewollten Fahrwasser von Soderberghs Ganoven-Trilogie.

Weil das entsprechende Komikpotential anno 2008 weiter unausgeschöpft scheint, spielt sich die Handlung zwischen Plattenbauten und Betonwüsten, also im Osten, ab. Dort rennen ja bekanntermaßen auch ausschließlich herzige Typen rum, weswegen Oswald "Ossi" Schneider, eben aus dem Knast entlassen, für seinen nächsten Coup nur Leute wie einen frauenfeindlichen Schmierlappen, zwei als Bratwurstverkäufer tätige Ex-Sportler oder den stets gern genommenen ehemaligen Stasispitzel rekrutiert. Irgendwann ist man zu elft, der Raubzug startet. Es geht um einige Tonnen D-Mark-Münzen, welche eingeschmolzen werden sollen ...

Nun könnten selbst die obigen Klischees irgendwie Spaß machen, allerdings endet der spätestens bei Sprüchen à la "Ostweiber sind besser, weil sie nach dem Sex noch Kaffee und Kuchen servieren." Oder besser gesagt: Freude kommt erst gar nicht auf, denn Humor steht hier für Hirnlosigkeit, die Gagdichte bleibt anderthalb Stunden lang erschreckend niedrig, und Albernheiten ersetzen die offensichtlich gewollte Coolness. Ganz zu schweigen davon, daß Regie und Buch von Unwichtigkeiten wie Erzähltempo wohl nie etwas gehört haben.

Viel schlimmer aber: Man soll nicht mit den Figuren, sondern über sie lachen, diese Menschen werden quasi vorgeführt. Zum Beispiel darf sich einer der erwähnten, dazu suizidgefährdeten Würstchenbrater in eine mehrfach geschiedene, latent depressive graue Maus verlieben. Da schwingt kaum hoffendes "Jeder Topf findet seinen Deckel" mit, sondern schreit bloß zynisches "Gleich und gleich gesellt sich gern." Im Abspann schmettert Soundtracklieferant sowie Neudarsteller Sasha schließlich "Lucky Day", und man weiß als Nicht-Teenie-Mädel endgültig: Wer sich in diesen Film verirrt, hatte keinen Glückstag.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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