Originaltitel: PATRÓN

Argentinien/Uruguay 1995, 89 min
Verleih: Kinemathek

Genre: Drama

Darsteller: Walter Reyno, Valentina Bassi, Gabriel Cedres

Regie: Jorge Rocca

Kinostart: 15.03.01

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Patrón

Vom Besitzen und Unterwerfen

"Alles was ich will, ist eine Frau im Haus und ein Kind - einen Sohn auf meinem Land." So sagt Antenor Dominguez, alternder Herr über riesige Ländereien, zu Paula, der Sechzehnjährigen, die ihm ebenfalls gehört - so wie offenbar alles Lebendige, das sich auf seinem Gut bewegt und ernährt. Das völlig mittellose Mädchen hat unter den gegebenen Umständen - im ländlichen Argentinien der Jahrhundertwende - keine Chance zum Widerstand. Ein Ehevertrag wird zwar noch geschlossen, ist aber dem Alten völlig gleichgültig. Paula soll schleunigst als Gebärmaschine funktionieren, der Stammhalter muß her! Er tut ihr folglich Gewalt an, wann immer es ihm paßt. Nach einem Unfall gelähmt, wird der allmächtige Patron, der Menschen wie Tiere behandelt hat, zum Pflegefall. Allerdings hat er es noch geschafft, das Mädchen zu schwängern. Und wenig später mißlingt Paulas verzweifelter Versuch, das Kind abzutreiben...

Streng und radikal wie die gleichnamige Romanvorlage von Abelardo Castillo reflektiert Regisseur Rocca in seinem Spielfilmdebüt einen (nicht nur) im lateinamerikanischen Kino vielfach variierten Stoff, sieht man von der zutiefst tragischen, aber zugleich hoffnungsvollen Auflösung ab. Trotzdem gehörte Rocca mit PATRÓN Mitte der 90er zu den Erneuerern des argentinischen Films, dessen Arbeiten der nachrückenden Generation (wie PICADO FINO von Estéban Sapir, 1996, oder INVIERNO MALA VIDA von Gregorio Kramer, 1997) auf Festivals seitdem wieder gefeiert werden, als befreiende, eigenwillige Ausbrüche aus einer oft kunstlos-erstarrten Bilderflut.

PATRÓN selbst liefert ein minimalistisches, lehrstückähnliches Schwarz-Weiß-Kammerspiel (der Regisseur: "Nieder mit der Vulgarisierung der Farbe!"), vergleichsweise klischeefrei und kaum auf Naturalismus erpicht, spröde im extrem kargen Dialog, doch kraftvoll und dynamisch in Bild- und Klangkomposition. Allein der Grundbesitzer und seine Braut agieren im Zentrum, alles Übrige verblaßt zur wirklichen Randszenerie. Bizarres Psychodrama eines Machtkampfes, in dem der Mut einer jungen Frau die allzuoft gegenwärtige Zwangsläufigkeit von Besitzen und Unterwerfen beendet.

[ ANNE RIORDAN ]

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