Originaltitel: RETURN TO NEVERLAND
USA 2002, 72 min
Verleih: Buena Vista
Genre: Zeichentrick, Kinderfilm
Regie: Robin Budd
Kinostart: 19.09.02
Was bei Mißachtung obigen Verbotes geschieht, soll nachstehender Tatsachenbericht schildern.
Ich nehme im Kinosessel Platz und weiß nur, daß mich das neueste Werk der Disney-Schmiede erwartet. Ich atme tief durch. Schon beginnt der Film.
Circa zwei Minuten später trifft mich beinahe ein Hörsturz, erschallt doch das erste fatal süßliche Liedchen. Mit zusammengebissenen Zähnen überstehe ich es, finde mich dann im gezeichneten Luftschutzkeller wieder. Hallo?! Peter Pan und Krieg, verträgt sich das? Wie mag man derartiges der kindlichen Zielgruppe erklären? Egal, denn da ist ja Wendy, das kleine Mädchen von damals, nun hingebungsvolle Mutter. Mich ereilt ein Krampf; irgendwas stört an ihrer Familie - vielleicht die Tatsache, daß alle, inklusive Haushund, so herzig-strahlend blaue Augen haben?
Jedenfalls erzählt Wendy ständig putzige Geschichten von Peter Pan, was Tochter Jane mächtig auf den Keks geht. Die Kurze ist eben realistisch! Dies verhindert aber nicht, daß Käptn Hook besagte junge Maid eines Besseren belehrt, indem er sie des nächtens entführt. Doch natürlich schreitet Peter Pan persönlich zur Rettung und bringt die Mini-Rebellin zum Herzen Nimmerlands. Dort lernt Jane elementare Regeln, welche unbedingt eingehalten sein müssen, will man jemals glücklich leben: Werde niemals erwachsen. Übernimm auf keinen Fall Verantwortung. Glaube alles, was man Dir sagt. Spiele den lieben langen Tag. Ach so! Endlich Klarheit, was ich in meiner Existenz bisher falsch gemacht habe! Lautes Poltern. Fiel mir jetzt ein Stein vom Herzen, oder rutschte jemand tief schlafend zwischen die Sitze?
Weitere nervtötende Gesangseinlagen, Sparwitze, klebrige Emotionen und unablässige Lobpreisungen des Frohsinns ohne Pflicht folgen. Gehirnfrittiert nehme ich das in keiner Sekunde angezweifelte, Extrem-Kitsch zur neuen Kunstform erhebende Happy End nur noch am Rande wahr. Meine leere Hülle wankt aus dem Kino zurück in den weniger infantilen Alltag - froh, bereits mehr als ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel zu tragen.
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme mit Wahrheit. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Und Frank kann GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...
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