D 2015, 87 min
FSK 12
Verleih: Drop-Out Cinema

Genre: Dokumentation, Polit

Regie: Moritz Springer, Marcel Seehuber

Kinostart: 04.02.16

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Projekt A

Ein Buchstabe mit zahlreichen Wegen

In ihrem Dokumentarfilm PROJEKT A machen sich die Filmemacher Moritz Springer und Marcel Seehuber im In- und Ausland auf die Suche einer möglichen Antwort, ob der anarchistische Grundgedanke in unserer heutigen, durch und durch kapitalistischen und von Machtstrukturen durchdrungenen Welt überhaupt noch einer durchführbaren Realität nahekommt oder ein Hirngespinst einiger Weniger ist.

Im Athener Stadtteil Exarchia sind die Menschen seit der Besetzung im Jahr 2009 noch immer dabei, sich ihre Lebensräume freizukämpfen und selbst zu gestalten. Seien es städtische Parks oder die eigens organisierte ärztliche Versorgung. In Deutschland begleiten die Filmemacher Aktionen, die sich gegen Atommülltransporte richten und unter Einsatz des eigenen Körpers versuchen, Stöckchen für Stöckchen in die Speichen der herrschenden Politik zu werfen. Dagegen arbeiten die Anarchisten aus Barcelona und ganz Katalonien in anarchosyndikalistischer Organisation und Gewerkschafterei innerhalb der staatlichen Strukturen, um diese auf lange Sicht und vom Kleinen ins Große vielleicht einmal zu unterminieren. Wiederum in Deutschland besuchen die Filmemacher das sogenannte Kartoffelkombinat, das sich selbst nicht als anarchistisch bezeichnet, sich jedoch trotzdem durch komplett autonome Selbstversorgung und alternative Unterstützung von den herrschenden Strukturen loszumachen versucht.

Den „bösen“, Steine werfenden schwarzen Block wird der Zuschauer hier vergeblich suchen; fast vollständig, zugegeben. Denn genau hiermit (brennende Autos etc.) beginnt der Film in Athen, jedoch nur, weil es irgendwie auch dazugehört und wohl nicht unerwähnt bleiben kann/darf, doch vor allem, um diesen Punkt erledigt zu haben und sich ganz den Menschen dahinter, ihren Motiven und Wünschen widmen zu können. Und die doch sehr verschiedenen Herangehensweisen, diese vielleicht einmal zu erreichen. Denn möglich scheint vieles.

Und so utopisch und weltfremd klingt das für den außenstehenden Rezipienten, der nichts weiter kennt, als die schwarzen Masken aus den Nachrichten, plötzlich nicht mehr, wenn man in die Gesichter sieht und die ruhigen Stimmen der Protagonisten hört. Wie sie reden und nicht schreien.

[ Philipp Winkler ] Philipp mag Filme, die sich in Randgebieten jeglicher Fasson abspielen. Filme, die mitten hinein treffen (und sei es in die Fresse). Filme, die frisch sind, selbst wenn sie siebzig Jahre alt sind. Philipp mag Literaturverfilmungen, denn er schreibt selbst. Doch grundsätzlich mag er auch Comicadaptionen, denn Philipp mag Comics. Er greift eher zu einem guten Dokumentar- als zu einem guten Spielfilm. Diese Leute mag Philipp besonders: James Marsh, Michael Haneke, Harmony Korine, Sabu, Errol Morris, Shohei Imamura, Jeff Nichols, Andrei Tarkowski, John Hillcoat, Hayao Miyazaki, György Palfi, Francis Ford Coppola und Hirokazu Koreeda.

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