D 2003, 90 min
Verleih: Concorde

Genre: Klamotte, Teenie

Darsteller: Tom Wlaschiha, Kristian Erik Kiehling, Michael Krabbe, Katja Flint, Horst Krause, Hilmi Sözer

Regie: Gernot Roll

Kinostart: 12.02.04

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Pura Vida Ibiza

Herb-fröhlicher Spaß auf den Balearen

Daß Film kaum Abbild von Realität ist, beweist auch dieser schroffe Juwel deutscher Fabulierkunst: Ibiza ist auf Leinwand schon schrecklich, doch in der Wirklichkeit muß es dort noch viel schlimmer zugehen. Im Kino sehen wenigstens die Menschen ganz gut aus. Zumindest, wenn man Tom Wlaschiha im knappen Tigermusterbadeschlüpfer mag ...

Wie auch immer, hier nun geht’s um drei Knaben, die nicht wissen, was sie wollen. Damit sind sie wahrlich nicht allein in der bösen kalten Welt. Sie nun zieht’s daher aufs warme Ibiza. Der eine, Ben, ist ein ewiger Romantiker, der seit Kindestagen die Carola anbetet, dann gibt’s da noch Felix, der alles flachlegt, was bei Huch nicht hinterm Busch verschwunden ist, und schließlich der bebrillte Nick, der Denker sozusagen. Sie heuern als Animateure in einem dieser malerischen Ressorts an, wo Getränke vornehmlich in Eimern serviert werden, wo es keinem auffällt, wenn man dezent untern Tisch kotzt, wo man aufpassen muß, daß man nicht in Deckfieber und verzweifelter Trunkenheit gar das schlecht bezahlte Putzpersonal vögelt. Ein echtes Urlaubsparadies also. Na klar, es gibt auch ’ne Handlung, die sich vor allem der Menschwerdung Felix’, der verwirklichten Liebe Bens und der Wachküssung des schüchternen Nick annimmt. Es wird alsbald alles ganz turbulent, weil die semmelblonde und -blöde Carola so janz zufällig auch auf der Insel ist, es in jeder Reisegruppe Stinker gibt und der Laden von einer Dame in Lack geführt wird ...

Nun ist es ja tatsächlich Geschmackssache, ob man derartige Kinoerlebnisse in fäkaler Schieflage mag oder eben nicht. Mitunter kann hier jedoch geschmunzelt werden, hin und wieder fühlt man sich an VERRÜCKT NACH MARY erinnert, etwa wenn Felix das Gemächt aus einer Penisvergrößerungspumpe nicht mehr rauskriegt. Sehr jugendliche Rezipienten könnten gar davon mitgerissen werden, worum’s hauptsächlich geht: ums Feiern und Flachlegen. Gar nicht übel eigentlich ...

Nun hinterfragt man ja bei diesen Höllenspaßfilmen ohnehin sehr wenig, wundert sich dann aber doch, daß ein betagter und arrivierter Kameramann und Regisseur wie Gernot Roll sich auf derartiges - nun ja - spezielles Terrain verirrt. Vielleicht gibt er selbst die Antwort, indem er den smarten Nick einmal sagen läßt: "Zu viel Cannabis knabbert die Großhirnrinde an." Schön uffpasse, Herr Roll.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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