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Rain

Eindrucksvolles Kino aus Neuseeland

Janey ist 13 in diesem Sommer in Neuseeland 1972. Wie jedes Jahr verbringt ihre Familie die Monate in ihrem Häuschen am Strand. Die Eltern ertränken ihren Kummer in Bourbon - die Mutter die Ruhelosigkeit und die Furcht vor dem Verlust der eigenen Schönheit, der Vater die Abweisungen durch seine Frau. Gelegentliche Strandparties geben dem Trinken den Anschein eines kollektiven Ereignisses. Janey und ihr kleiner Bruder Jim sind weitgehend sich selbst überlassen. Sie unternehmen Ausflüge, Janey lehrt Jim das Schwimmen, raucht die erste Zigarette, probiert den ersten Drink und den ersten Kuß. Aufmerksam verfolgt sie dabei die Spiele der Erwachsenen.

Eines Tages lernt ihr Vater den Fotografen Cady kennen, der auf einem Boot wohnt und sich mit der Familie anfreundet. Sehr genau beobachtet Janey ihre Mutter, als diese mit Cady eine Affäre beginnt. Während ihr Vater still hält, tritt sie als frühreife Lolita in die Fußstapfen ihrer Mutter und versucht, diese mit den Waffen einer Frau zu schlagen. Als sie am Ziel scheint, geschieht ein Unglück ...

Ein atmosphärisch dichtes Drama ist Christine Jeffs Spielfilm-Debüt RAIN, basierend auf der gleichnamigen Novelle von Kirsty Gunn. Über 92 Minuten baut sich über der äußeren Sommeridylle eine düstere Regenfront auf. Fast ohne Worte und dabei sehr nah an den Dialogen der Vorlage, findet Jeffs zu dichten Stimmungen, balancierend zwischen Suspense und dramaturgischen Vorgaben. Die mit Spannungen, Erwartungen und Vorahnungen aufgeladene Atmosphäre wird von den überwältigenden Bildern John Toons eingefangen, wobei die Ästhetik der Bilder selbst an die in Cannes und London preisgekrönten Werbespots und Videoclips der Regisseurin erinnern mag. Mit Neill Finn hat Jeffs überdies einen Starmusiker verpflichtet, der mit seinem Soundtrack im 70er Retrostil zur poetischen Gestaltung des Films wesentlich beiträgt.

Alles in allem tritt RAIN den Beweis dafür an, daß Kino aus Neuseeland immer wieder für eindrucksvolle Überraschungen sorgt.

Originaltitel: RAIN

Neuseeland 2001, 92 min
Verleih: Kool

Genre: Erwachsenwerden, Drama, Literaturverfilmung

Darsteller: Alicia Fulford-Wierzbicki, Sarah Peirse, Marton Csokas, Alistair Browning, Aaron Murphy

Regie: Christine Jeffs

Kinostart: 20.02.03

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.