D 2006, 93 min
Verleih: X Verleih

Genre: Drama, Schicksal

Darsteller: Sandra Hüller, Burghart Klaußner, Imogen Kogge, Nicholas Reinke, Walter Schmidinger

Stab:
Regie: Hans-Christian Schmid
Drehbuch: Bernd Lange

Kinostart: 02.03.06

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Requiem

Zum Teufel mit den Dämonen!

Seit Jahren gilt Hans-Christian Schmid als einer der talentiertesten deutschen Kinoerzähler. Talentiert heißt hier, Stoffe wie den Pop-verdächtigen Paranoia-Thriller 23 oder auch ein Teenager-Drama wie CRAZY für ein erwachsenes Publikum zurückzuerobern, dem man mit Fast-Food-Revoluzzern und Adoleszenz-Kapriolen nicht kommen darf. Mit LICHTER, seinem emotional wie dramaturgisch stimmigen Dramenpuzzle über Matratzenverkäufer im Besonderen und die Oder-Neiße-Wohlstands-Grenze im Allgemeinen gelang ihm ein Meisterstück. Und es wartet darauf, übertroffen zu werden - auch nach REQUIEM.

Um Schmids neuen Stoff als ähnlich brisant zu empfinden, braucht es ein paar Eselsbrücken: Deutschland in den 70ern, links der Baader-Meinhof-Komplex, rechts der Gottes- und Ordnungsreflex der tief katholischen Provinz. Innerhalb dieser Koordinaten vollzieht sich hier der Befreiungsversuch der Pädagogikstudentin Michaela, die nach dem Willen der Eltern hätte bleiben sollen, wo sie aufgewachsen ist, wo man "ihre Sache" zu nehmen weiß. "Die Sache", bis heute eine ungeklärte Mischung aus Epilepsie, religiösem Wahn und Kindheitsverletzungen, macht ihren Aufbruch in die Selbstbestimmtheit (es handelt sich um die Uni Tübingen) zur Irrfahrt durch kleinere Absenzen und große Ausfälle. Bis das etwas ungelenke aber ehrgeizige Mädchen dem Neuanfang ein Ende macht, um die Stimmen im Kopf loszuwerden: ein Exorzismus nach altem Ritual.

Den verbürgten "Fall Anneliese Michel", einem tödlichen muß man ergänzen, der in den 70ern weltlich wie kirchenrechtlich justiziabel wurde und bis heute die Phantasie von Pilgern wie Filmemachern aller Provenienz anregt, eignet sich Schmid auf sehr persönliche Weise an: eine fast schamhafte Kamera, die den spektakulären Ausbrüchen den Blick auf eine zitternde Hand vorzieht, eine maßvolle Schauspielerin, die jeden Disco-Besuch mit kleinen Gesten zum Tanz auf dem Vulkan macht.

Austauschbar, verwechselbar aber bleibt das Zeit-Flair. Musik, Requisite, sogar Farbigkeit tun ihr Bestes, damit das Drama nicht aus der Zeit, aus dem Ort fällt. Und doch tut es das - mit Dialogen, die nicht stimmen, mit Stimmungen, die sich nicht vermitteln, und mit abrupten emotionalen Umschwüngen, die nicht dem Milieu, sondern der Regie geschuldet sind.

[ Sylvia Görke ]

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