Originaltitel: RÓZSADOMB

Ungarn/D 2003, 98 min
Verleih: Progress

Genre: Erwachsenwerden, Drama, Polit

Darsteller: Péter Andorai, Erika Marozsán, Naomi Rózsa

Regie: Mari Cantu

Kinostart: 05.05.05

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Rosenhügel

Kinderblick auf eine Revolution

Rot glühen Augen durch das Geäst. Panka und ihr jüngerer Bruder Mischka fürchten sich vor dem Anblick, sie wissen nicht, was sie dort sehen. Sie haben ihre ganz eigene Sicht auf alltägliche Ereignisse, die sie im kommunistischen Ungarn von 1956 umgeben.

Teresa, ihre Mutter, stammt aus einfachen Verhältnissen und heiratete den hohen Beamten Gabor. Nun sorgt sie für die gemeinsamen Kinder, lernt für ihre Parteiprüfung und waltet über das Hauspersonal, während Vater Gabor mit dem Dienst an der Partei zu tun hat. Die Kinder sind also auf sich allein gestellt, eine kleine Dummheit hat große Folgen. Mischka versteckt einen Brief, der das Foto einer blonden Frau enthält und an den Vater adressiert ist. Jemand scheint von dem Brief zu wissen, denn plötzlich legt sich ein Schatten aus der Vergangenheit über die Familie. Die Mutter ist gereizt und hilflos. Der Vater selbst gerät in politische Bedrängnis. Wenige Tage später ist das Grollen von Panzern zu vernehmen. Was geschieht in Budapest?

Es ist klar, daß Filme mit politisch-historischem Hintergrund diesen nie erschöpfend erklären können, sondern nur einen Bruchteil beleuchten. So ist es eine wunderbare Idee, ein gravierendes historisches Ereignis aus Sicht von Kindern zu erzählen - in diesem Fall die Wirren des ungarischen Volksaufstandes gegen die sowjetischen Einflüsse. Kinder sehen die Wirkung von Ereignissen, verstehen die Gründe aber nicht immer. Dies ist auch Mari Cantus Ansatz - Mischka und Panka erleben die schrittweise Ausgrenzung ihrer Familie, ohne deren Ursachen zu kennen. Zuschauer mit Hintergrundwissen zu den Unruhen in Budapest im Herbst 1956 werden viele Andeutungen und Unausgesprochenes entschlüsseln. Leider sind durch die Perspektive die Elternfiguren in ihren Motivationen schwerer zu durchschauen.

Nachhaltigen Eindruck hinterläßt die atmosphärisch dichte Erzählweise, die vieles fühlbar macht, ohne es lang und breit zu erklären - wie eine verschwommene Erinnerung aus der eigenen Kindheit.

[ Roman Klink ]

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