Originaltitel: SACHAMANTA

Argentinien/D 2012, 50 min
FSK 0
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation

Stab:
Regie: Viviana Uriona
Drehbuch: Viviana Uriona

Kinostart: 22.11.12

Noch keine Bewertung

Sachamanta

Der Widerstand der einfachen Leute

Überall auf der Welt vergreifen sich Großkonzerne ungestraft an Land, das ihnen nicht gehört. Mit Hilfe der örtlichen Polizei und Armee werden Menschen von ihren Höfen vertrieben, auf denen sie seit Generationen leben. Sie müssen Fabriken oder Anbauflächen weichen. Der Kapitalismus als alles platt stampfendes Monster, wie das Schreckgespenst des Krieges in dem Gemälde „Hausengel“ von Max Ernst.

Aber so einseitig und melodramatisch ist unsere Welt dann doch nicht. Und so zeigt der Dokumentarfilm SACHAMANTA ein Mut machendes Beispiel erfolgreicher Gegenwehr. In Argentinien kämpfen Kleinbauern seit inzwischen 20 Jahren erfolgreich gegen den Landraub der großen Spekulanten. Die Bauern haben sich zu einer Bewegung zusammengeschlossen, ganz in dem Sinne: Gemeinsam sind wir stark. Und wann immer irgendwo die Polizei unter absurden Vorwänden ein Bauernhaus stürmt und die Familie verschleppt, um das Land einzuzäunen, kommen die Compañeros der Bewegung zusammen und helfen.

Vor zehn Jahren dann, auf einem Kongreß, die revolutionäre Idee: Um sich besser vernetzen zu können und die Wahrheit ins Land zu tragen, baut die Bewegung einfach ein eigenes Radionetz auf. So simpel und vorsintflutlich diese Idee in Zeiten des Internets auf den ersten Blick erscheinen mag, so wirkungsvoll ist sie. Die Radiogemeinschaft hält zusammen und unterstützt sich gegenseitig, was sie auch in der Stadt inzwischen zu einer anerkannten Größe gemacht hat. Die Konzerne lassen sich durchaus von der Bewegung beeindrucken, und Gerichte entscheiden zunehmend im Sinne der Kleinbauern. Die erklären der Landbevölkerung in ihren Sendungen Gesetze, rufen zu gemeinsamen Treffen und Aktionen auf und spielen ihre traditionelle Musik. Alles Sachen, die große kommerzielle Radiostationen nicht leisten.

Im Film von Viviana Uriona, der komplett ohne fremde Finanzierung zustande gekommen ist, werden uns diese Menschen und ihre Geschichten mit einer fast grenzenlosen Authentizität nahegebracht. Viele Radiomacher haben ihre Interviews für den Film sogar selber gedreht. Leider findet man keine richtige Gliederung im Film, und auch die Lokalisierung der einzelnen Stationen fällt manchmal schwer. So hätte das Thema es durchaus verdient und getragen, ausführlicher und detaillierter erzählt zu werden, mit etwas mehr Überblick. Aber der Film schafft, was er schaffen soll – er trägt die Botschaft der argentinischen Bauern, die für ihr Land kämpfen und die beeindruckend zusammenhalten, in die Welt.

[ Marcel Ahrenholz ] Marcel mag Filme, die sich nicht blind an Regeln halten und mit Leidenschaft zum Medium hergestellt werden. Zu seinen großen Helden zählen deshalb vor allem Ingmar Bergman, Andrej Tarkowskij, Michelangelo Antonioni, Claude Sautet, Krzysztof Kieslowski, Alain Resnais. Aber auch Bela Tarr, Theo Angelopoulos, Darren Aronofsky, Francois Ozon, Jim Jarmusch, Christopher Nolan, Jonathan Glazer, Jane Campion, Gus van Sant und A.G. Innaritu. Und, er findet Chaplin genauso gut wie Keaton ...

Lesezeichen:

1 Meinung zur Rezension oder zum Film

[ 24.10.12, 11:37:30 – Kameradist Wagner ]
Danke für diese schöne und detailierte Rezension. Sachamanta kann man zum Glück aber auch lange vor dem 22. November im Kino sehen. Die Übersicht zu allen Terminen findet sich auf http://www.kameradisten.de/sachamanta




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