D 2004, 109 min
Verleih: Constantin

Genre: Liebe, Tragödie, Schicksal

Darsteller: Tannishtha Chatterjee, Prashanth Narayanan, Tillotama Shome

Stab:
Regie: Florian Gallenberger
Drehbuch: Florian Gallenberger
Produktion: Helmut Dietl

Kinostart: 12.05.05

Noch keine Bewertung

Schatten der Zeit

Übermächtiges Schicksal in magischen Bildern

Der 11jährige Ravi arbeitet in einer Teppichfabrik. Er spart jede Rupie, um sich freizukaufen. Er will ein Leben in der Stadt führen. Als die kleine Masha von ihrem Vater an die Fabrik verkauft wird, nimmt sich Ravi ihrer an. Bald verbringen die Kinder jede freie Minute miteinander. Ravi erlernt nachts heimlich das Teppichknüpfen und ist bald so geschickt, daß er vom Fabrikbesitzer einen besser bezahlten Job bekommt. Als Masha wenig später an einen Mädchenhändler weiterverkauft werden soll, zahlt Ravi einen höheren Preis - er opfert seine Ersparnisse und verpfändet seine Arbeitskraft für die nächsten Jahre. Masha schickt er nach Kalkutta, wo sie nach ihrem Vater suchen soll. Beim Abschied versprechen sich die beiden, immer bei Vollmond im größten Shiva-Tempel der Stadt aufeinander zu warten ...

SCHATTEN DER ZEIT ist eine tragische Liebesgeschichte, erzählt aus der Perspektive eines alten Mannes, der - zurückgekehrt an den Ort, wo die Fäden seines Lebens zusammenlaufen - von Erinnerungen überwältigt wird. Ravi und Masha sind sich als Erwachsene wieder begegnet, hatten eine Affäre miteinander und später einen gemeinsamen Sohn. Ihre Liebe aber hat sich nie erfüllt, das Schicksal bestimmte es anders.

2001 überraschte Regisseur Florian Gallenberger mit QUIERO SER (prämiert mit einem Kurzfilm-OSCAR), der Geschichte zweier Brüder, die sich als Straßenkinder in Mexico-City durchschlagen. QUIERO SER zählte nur wenige Minuten, gab zu denken und ließ dem Zuschauer Raum. SCHATTEN DER ZEIT nun ist abendfüllend, der Drehort heißt Kalkutta, und Florian Gallenberger packt in 109 Minuten die nahezu komplette Geschichte zweier Leben. Er erzählt von der Liebe zweier Kinder, die sich nie neu gründet im Erwachsensein, aber dennoch schicksalhaft beständig bleibt. Die Themen Kinderarbeit und Mädchenhandel flicht er ein und zeigt gleichzeitig den märchenhaften sozialen Aufstieg von Ravi, der irgendwann selbst mit Teppichen viel Geld verdient.

Kameramann Jürgen Jürges hat magische Bilder komponiert und ein besonderes Licht eingefangen. Zusammen ergab das schon zwei Bayerische Filmpreise - für Erstlingsfilm und Kamera. Der Regisseur allerdings - das merkt man - führt seine Geschichte nicht. Zwischen erzählerischer und bildlicher Opulenz entstehen Lücken, die mit der Macht des Schicksals allein schwer zu erklären sind.

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.