D 2017, 83 min
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation

Regie: André Plath, Chris Caliman

Kinostart: 12.10.17

1 Bewertung

Schön, daß du da bist

Ein leeres Zusammentreffen von Kunst und Therapie

„Robin Zöffzig porträtiert Jürgen Lemke. Auftrags-Arbeit in drei Akten.“ heißt es im Vorspann des Dokumentarfilms, und mehr ist da auch nicht, was wir in SCHÖN, DASS DU DA BIST zu sehen bekommen. Der wenig originelle Titel, dem ersten Satz entnommen, mit dem der Maler Robin Zöffzig den ankommenden Sexualtherapeuten und Autor Jürgen Lemke in Leipzig begrüßt, überzeugt genauso wenig, wie das gewollt Tiefgründige und Lebenspralle, das der Film gerne hervorrufen möchte. Stattdessen strotzt es in den Gesprächen der beiden vor Plattitüden und Klischees.

Drei Tage verbringen die Männer im Atelier des Malers, damit Zöffzig das Porträt anfertigen kann. Große Themen wie Liebe und Tod wollen besprochen werden, bleiben jedoch so weit an der Oberfläche und sind so kurz gehalten, daß sich dadurch keinerlei interessante Nuancen bilden können. Was denkt der Maler beim Malen, ist er nun Leipziger Schule, und will er ein großer Maler sein? Fragen, die von einer Verehrung der Handwerkszunft zeugen, treffen auf ein gebautes Setting von älterer Vaterfigur Meets aufstrebenden Künstler. Das Genie des Malers schwingt seinen Pinsel, ist sensibel, versteckt sich jedoch hinter Allgemeinplätzen.

Vielleicht ist es ein Spiel der Kamera wegen, wenn Zöffzig verlautbart, beim Malen denke er über die Welt nach, ja, das sei Therapie. Auch wenn dies wirklich seine Wahrheit ist, die hinter der Motivation am künstlerischen Schaffen steckt, bekommen wir dazu keinen Zugang. Leider bleiben wir an den einzelnen Worthülsen kleben und rutschen ab, was wirkliche Antriebe und in unserer Gesellschaft tabuisierte Triebe sind, sowohl im motivischen Sinne von Zöffzigs Malerei, als auch in der Arbeit des Sexualtherapeuten mit Pädophilen, bleibt verschwiegen.

Es fehlt SCHÖN, DASS DU DA BIST nicht nur an Präzision, den einen interessanten Knackpunkt dieser Begegnung aufzuspüren, sondern schlicht an Zwischentönen und Zeit selbst, in den Protagonisten etwas zu sehen, so wie die beiden in sich etwas sehen möchten. Vielleicht kommen Neugierige, die schon immer erfahren wollten, wie ein Maler in einem Atelier der Leipziger Baumwollspinnerei arbeitet, auf ihre Kosten. Alles andere, was eine solche Begegnung für einen Film spannend machen könnte, bleibt leider auf der Strecke.

[ Katharina Wittmann ]

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