Originaltitel: SÉRAPHINE

F 2008, 125 min
FSK 6
Verleih: Arsenal

Genre: Biographie, Poesie

Darsteller: Yolande Moreau, Ulrich Tukur, Anne Bennent

Regie: Martin Provost

Kinostart: 17.12.09

12 Bewertungen

Séraphine

Putzen für die Leute, malen für die Engel

Der Film liebt die Künstlerpersönlichkeiten mit den klangvollen Namen. Noch mehr liebt er ihre biographischen Leidenswege zwischen rauschhafter Schöpfung und lebensbedrohlicher Ermattung, die man im Couleur der Zeit ausmalen oder in den Farben von Gemälden ertränken kann. Regisseur Martin Provost liebt spröder, gemäßigter, ohne visuelle Umstände – aber nicht weniger leidenschaftlich. Denn sein Film nähert sich einer Malerin, deren Name trotz Wertschätzung durch die Kunstgeschichte nur wenigen geläufig ist und die selbst kaum daran gewöhnt war, daß sich jemand wegen ihr und ihrer Bilder Umstände macht.

Séraphine Louis arbeitete fast ein Leben lang als Zugehfrau in Senlis an der Oise. Erfüllt von tiefem Glauben und religiösen Visionen, soll ein Engel sie zur Malerei gerufen haben – mystische Rituale mit Farben nach eigener Rezeptur, die wie von selbst ornamentale Labyrinthe aus Pflanzen und Früchten formen. 1912 lernt sie den deutschen Kunsthändler Wilhelm Uhde kennen – als bereits ältliches Dienstmädchen hält sie seine Ferienwohnung sauber. Erst durch ein kleines Stilleben, entdeckt bei Nachbarn, wird Uhde auf das Talent aufmerksam, das ihm da barfüßig und schweigsam den Haushalt besorgt. Hoffnungen werden geweckt, fast freundschaftliches Vertrauen entsteht. Doch der gemeinsame Weg ist kurz, unterbrochen durch den Krieg, die Wirren der Zeit, und endet schließlich im Irrenhaus.

Mit sieben Césars wurde Provosts Künstlerinnenporträt ausgezeichnet. Einen achten hätte die ruhige, diskrete Selbstverständlichkeit verdient, mit der sich hier Szenen, Landschaften, Interieurs und Figuren ineinanderfügen. Séraphine begegnet uns im Körper von Yolande Moreau als manchmal ruppige Frau, die ihre Malerei nicht zelebriert, sondern zielstrebig „verrichtet“ wie einen Gottesdienst. Überhaupt ist es dieser mit der Erde verwachsene und doch bewegliche Körper, der ländliche Derbheit und kindliche Versponnenheit im selben Moment zu zeigen vermag: sitzend auf einem Baum, mit den Beinen schlenkernd, während Nase und Gedanken in den Himmel streben.

Ulrich Tukur, Moreaus feinnerviges Gegenüber als entflammbarer, aber an sich und der Zeit verzweifelnder Mäzen, läßt ihr den nötigen Raum. Schließlich ist es Séraphines Welt, in die er und wir Einlaß erhalten.

[ Sylvia Görke ]

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