Originaltitel: SENSE AND SENSIBILITY

USA/GB 2026, 131 min
Verleih: Universal

Genre: Drama, Liebe, Literaturverfilmung

Darsteller: Daisy Edgar-Jones, Esme Creed-Miles, Fiona Shaw, Caitriona Balfe, George MacKay

Regie: Georgia Oakley

Kinostart: 15.10.26

Sinn und Sinnlichkeit

Sisters Are Doin’ It For Themselves

Bekanntlich ist die Liebe ein seltsames Spiel – dies erklärt wohl, warum Jane Austen nie aus der Mode kam (und nie kommen wird), wodurch wiederum sich jene Neuverfilmung ihres vermutlich berühmtesten Romans rechtfertigt. Laut „The Guardian“-Kritikerin Catherine Shoard entstand eine Version „fürs Instagram-Zeitalter“, wobei zur Unterfütterung solcher Pauschalisierung eher dünn Begründetes taugen soll: Die Dame wirft viele Einstellungen mit Frauen auf Feldern oder Nahaufnahmen von Käfern sowie melancholische Streicher-Musik in die argumentative Waagschale. Das nimmt man hin. Und bildet sich seine eigene Meinung. Sowieso, immer.

Es geht natürlich um Elinor und Marianne, auf dem Heiratsmarkt befindliche, leider verarmte Schwestern, plus deren Verehrer, Enttäuschungen, Sinneswandlungen. Unverändert können Eßtische ganz schnell zu Schlachtplatten mutieren, Messer nicht allein der Nahrungsteilung, sondern genauso dem Rammen in schlanke Rücken dienen, verbal selbstverständlich, mit einem Lächeln, sanften Worten. Etwas am Sehnerv zerrt dabei stetes Halbdunkel, und teilweise wünscht man sich schon, 132 Minuten wären auf unter zwei Stunden gekürzt. Also quasi alles wie gehabt, derweil Fiona Shaws Mrs. Jennings, eine im Wachzustand selten ohne gehobenes Glas anzutreffende Lachmöwe, was ihre Menschlichkeit und empathische Güte indes keinesfalls negativ beeinflußt, pausenlos Szenen stiehlt.

Wenn man denn den Blick irgendwie von allerhand Landschaftsimpressionen, die Shoard glatt als höchst bedenklich zu benörgeln vergaß, abzuwenden vermag, fällt jedoch manche Zuspitzung auf, nicht nur durch Oneliner-Verdichtung von Austens Ironie (angesichts einer relativen Bruchbude: „At Least Fanny Doesn’t Live Here!“), sogar auch bei der Figurenanlage. Elinor und Marianne wissen besser denn je um ökonomische Zwänge, den finanziellen Preis des Gefühls, sie scheinen noch fester verbunden, eine echte Allianz. Dazu gibt’s einige Verdeutlichungen, darunter das hier ziemlich breit visualisierte Duell.

Eine geschätzte Radio-Kollegin, welche sich kurz vor Film als ausgewiesene „Sinn und Sinnlichkeit“-Expertin herausstellte, lächelte beim Abspann dennoch – oder gerade deswegen – beglückt. Alles klar!

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...