Originaltitel: SKIN

USA 2018, 118 min
FSK 16
Verleih: 24 Bilder

Genre: Drama

Darsteller: Jamie Bell, Danielle MacDonald, Vera Farmiga

Regie: Guy Nattiv

Kinostart: 03.10.19

8 Bewertungen

Skin

Letzte Ausfahrt Ohio

Byron Widner ist ein kaputter Mensch. Weil er Menschen kaputt macht, die er und seine Ziehfamilie um „Ma“ und „Pa“ als minderwertig betrachten. Einfach so. Einen jungen Schwarzen prügelt er in Ohio krankenhausreif und verpaßt ihm zur „Warnung“ noch ein Hakenkreuz – mit dem Messer in die Wange des Jungen geritzt.

Das ist der Auftakt dieses aufwühlenden Stücks Wutkino, welches die wahre Geschichte von Widner erzählt, der einst ein glühender Verfechter der White-Power-Bewegung in den USA war. Der rechte und zahlenmäßig besorgniserregend große Rand der Gesellschaft ist ein Sammelbecken für Strauchelnde, Schwererziehbare und Rumtreiber, die auf schnellem Weg ideologisch in die Irre geprägt werden, woraufhin sie alles Andersartige, -farbige und -liebende abgrundtief hassen und zerstören wollen. Auch Byron schreckte bis zur zuvor beschriebenen Greueltat vor heftigster körperlicher Gewalt nicht zurück, doch als er auf einem Nazi-Fest eine alleinerziehende Frau mit ihren drei Kindern kennenlernt, sie nach einer Demütigung verteidigt, setzt ein langsames Umdenken ein. Julie hat sich längst von der rechten Szene verabschiedet. Sie drängt Byron, Gleiches zu tun, und eine FBI-Agentin bietet dem hadernden Kerl einen Deal an, der für ihn und seine neue Familie lebensgefährlich ist: der Ausstieg aus der Neonazi-Szene.

Klar, man hält diese Blut-und-Ehre-Szenarien, diese rohe Gewalt und das Zerstören von jungen Biographien tatsächlich kaum aus, man muß aber hinschauen, gerade weil diese menschenverachtenden Gruppen derzeit wieder an Rückenwind gewinnen. SKIN bietet dabei einen profunden Einblick in die bestens organisierten Netzwerke, Ersatzfamilien, die nur mit dem Ausüben von hierarchischem Druck zusammengehalten werden. Verrat wird dabei am härtesten geahndet, ein Entkommen scheint fast unmöglich.

Der Film hat gewiß ein paar Verknappungen, zum Beispiel, was die Rattenfängeraktionen zur Akquise des rechten Nachwuchses betrifft, aber er besticht in seiner beklemmenden Atmosphäre und dem mutigen Spiel Jamie Bells als Aussteiger Byron. Über die Abkehr von der rechten Szene hinaus will Byron seine in Haut gebrannten Stigmata loswerden, was beileibe – davon vermittelt der Film ein geradezu schmerzliches Bild – kein Spaziergang wird.

SKIN ist kraftvolles, leidenschaftlich erzähltes Kino, das es nach einigen Festivalaufschlägen gottlob noch dahin geschafft hat, wo es zwingend hingehört – auf die Leinwand.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

Lesezeichen:

Skin ab heute im Kino in Leipzig

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