Originaltitel: SPLICE

Kanada/F/USA 2009, 108 min
FSK 16
Verleih: Senator

Genre: Horror

Darsteller: Adrien Brody, Sarah Polley, Delphine Chaneac, Brandon McGibbon, Simona Maicanescu, David Hewlett

Regie: Vincenzo Natali

Kinostart: 03.06.10

2 Bewertungen

Splice

Mutter, Vater, Monsterkind

Was wäre der Horrorfilm, ach was, das gesamte fiktionale Erzählen, ohne das imaginierte Grauen, das durch überambitionierte Wissenschaftler über die Menschheit gebracht wird? Von FRANKENSTEIN über DIE FLIEGE bis nun zu CUBE-Regisseur Vincenzo Natalis neuer Sci-Fi-Horrormär SPLICE – das Gruseln mit eingebauter Fortschrittskritik hat Tradition. Doch auch wenn das Grundgerüst altbekannt ist: Natali schafft es in seinem visuell äußerst elegant erzählten Werk, dem Ganzen einige neue Facetten abzugewinnen, wobei er sich neben den Klassikern des Science Fiction auch ordentlich bei einem Dauerbrenner der Wissenschaften, den Lehren Siegmund Freuds nämlich, bedient.

Adrien Brody und Sarah Polley geben das attraktive Duo infernale, das mit seinem Experimentierdrang Mächte heraufbeschwört, die sich bald als unbeherrschbar erweisen. Als geniales Biochemiker-Paar Clive und Elsa züchten die beiden äußerst erfolgreich synthetisches Protein, indem sie die DNS verschiedener Tierarten kombinieren. Die entstehenden Hybridwesen sehen aus wie aufgegangener Sauerteig mit Schleimhaut und leben nur kurz. Doch der zeitweilige Erfolg mit ihrem Labor reicht den Ehrgeizlingen natürlich nicht, sie wollen mehr, und der geneigte Zuschauer natürlich auch.

Also setzt das Nerd-Pärchen sich über alle Bestimmungen hinweg und gesellt zu den tierischen Genen bald menschliches Material. Das riskante Experiment übersteigt schnell alle Erwartungen, denn ihre Schöpfung „Dren“ wächst im Eiltempo vom Schleimklumpen zu einem cleveren Mädchen heran. Auch wenn Stachelschwanz und sprunggewaltige Hinterbeine Drens Anderssein klar aufzeigen, behandelt vor allem Elsa ihr „Baby“ immer mehr wie ein eben solches, und die Grenze zwischen Züchterin und Übermutter schwindet. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf, als das Kind die Pubertät erreicht und extremst zu rebellieren anfängt – wie eben ganz „normaler“ Nachwuchs ...

Natali ist ein stylisher Genrehybrid gelungen, der erzählerisch ähnlich effizient und präzise arbeitet wie seine Protagonisten im Labor. Statt auf Schockeffekte wird vor allem auf emotionale Dichte gesetzt, was die Grenzen zwischen Old-School-Horror und Familienmelodram nach und nach nahezu aufhebt und etwas spannendes Neues hervorbringt. Ein geglücktes Experiment.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

Lesezeichen:

1 Meinung zur Rezension oder zum Film

[ 09.07.10, 21:52:47 – Mucho ]
Mein persönliches Kinoerlebnis von Splice fällt weniger begeistert aus. Von einem "geglückten Experiment" würde ich nicht sprechen. Zwar sehe ich ebenfalls die Anleihen an FRANKENSTEIN als moderne Erzählung der Genmodifikation. Es lassen sich sicherlich noch andere Bezüge herstellen, aber die Umsetzung hat mich wenig überzeugt. Der Film wirkte auf mich wie ein nicht angekündigter B-Movie. Gerade die Effekten (Verwandlung, Kiemen, Flügel etc.) machen alle schlauen Auseinandersetzungen mit Genmodifikationen zunichte. Die Probleme um Ethik und moralische Grenzen gehen mit den Transformationen des neuen Wesens unter. Am Ende wurde schlicht eine neue Variante von SPECIES geschaffen.




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