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Sweet Sixteen

Neues und Brillantes von Ken Loach

Dabei sollte für Mutti doch alles nur gut werden. Liam, ein 15jähriger Junge, legt sich permanent mit dem kleinkriminellen Liebhaber seiner Mutter an, für den sie gerade wieder mal im Knast sitzt. Liam weiß, daß dieser Typ nur ewigen Ärger bringt. Wenn Mutter demnächst aus dem Gefängnis kommt, soll alles besser werden: seine Schwester Chantelle soll sich mit ihr wieder vertragen, der ganze soziale Ballast, den einem das Leben zwischen Stütze und Plattenbau aufbürdet, soll abgeworfen werden, Harmonie ist das Zauberwort. Liam schuftet sich ab, damit er das Geld zusammenbekommt, um einen Wohnwagen am See zu kaufen, in dem dann Platz für seine Familie wäre. Allerdings verdient er sich die Scheine, indem er Drogen vertickt. Das Dealen läuft von Beginn an in Schieflage ...

Ken Loach ist das schlechte Gewissen der britischen Filmindustrie, einer, der erinnert, aufrüttelt und niemals den Weg des Bequemen geht. So auch hier, in dieser durchaus auch mal komisch, meist jedoch nüchtern und dabei so berührend erzählten Abstrampelei eines Halbwüchsigen, der sich nach nichts Geringerem sehnt, als einem kleinen bißchen Glück.

Liam hat Kraft, Zuversicht und ein ungeheures Maß an Dickköpfigkeit. Doch er sieht die Tücken des realen Lebens nicht, weil er sie nicht sehen will, weil er sich nicht stoppen lassen will. Ein bewundernswerter Kämpfer, ein zum Mißerfolg verdammter leider auch. Liam kann nicht zur Einsicht kommen, daß manche Menschen einfach zu schwach sind, um Hilfe annehmen und die rettende Hand ergreifen zu können. Seine Mutter gehört dazu.

SWEET SIXTEEN ist einer der stärksten Ken-Loach-Filme überhaupt, und er schenkt dem Kino ein neues, ein sehr hoffnungsvolles Gesicht: Martin Compston spielt mit jeder wütenden Faser seines jugendlichen Antlitzes, mit jedem Muskel seiner jungenhaften Gestalt. Compston ist einer, dem man all das zwangsläufig abnimmt, wofür Liam kämpft. Sicherlich ist er begabt und demnächst gut beschäftigt. Vor allem aber ist er echt.

Originaltitel: SWEET SIXTEEN

GB/D/Spanien 2002, 106 min
Verleih: Ottfilm

Genre: Drama, Erwachsenwerden

Darsteller: Martin Compston, William Ruane, Annmarie Fulton

Regie: Ken Loach

Kinostart: 26.06.03

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.