Originaltitel: TANDOORI LOVE

CH/D/Österreich 2008, 92 min
FSK 6
Verleih: Arsenal

Genre: Musikfilm, Liebe

Darsteller: Lavinia Wilson, Martin Schick, Vijay Raaz, Shweta Agarwal

Stab:
Regie: Oliver Paulus
Drehbuch: Oliver Paulus

Kinostart: 27.05.10

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Tandoori Love

Wer hat’s erfunden?

Wieviel Kräuterzucker muß ein schweizerischer Regisseur lutschen, um auf die absurde Idee zu kommen, man könne das Filmoperettenmekka Bollywood mit seinen eigenen Waffen schlagen? Oliver Paulus jedenfalls bringt seine Geschütze im Berner Oberland in Stellung und scheint auf Rache zu sinnen. Denn die beschauliche Schweizer Bergwelt wurde von den indischen Kitschrevolutionären für so manches herzschmerzende filmische Singspiel als exotische Kulisse mißbraucht, wie Paulus bei eigenen Kinobesuchen auf dem Subkontinent feststellen mußte. Mit einer singenden, tanzenden Liebesgeschichte, gespielt von deutschsprachigen Sternchen und indischen Stars, wird nun also zurückgeschossen – leider ohne Rücksicht auf Verluste.

Verwickelt sind ein indischer Koch, eine gefräßige Bollywood-Diva, ein kellnerndes Schweizer Maderl, ihr zukünftiger ehemaliger Verlobter, dessen biestige Mutter und deren blöder Hund, die sich in allerhand merkwürdigen musikalischen Situationen begegnen. Der Küchenmagier Rajah, romantischer Held von trauriger Gestalt und sanftem Gemüt, ist nämlich einer Bollywood-Filmproduktion auf der nächsten Alm entlaufen. Im Traditionsgasthof „Hirschen“ findet er Anstellung, schmachtet Sonja, die Liebste des neuen Chefs, an und schnitzt seine Leidenschaft in unschuldiges Gemüse.

Die Angebetete, ausgestattet mit gleich zwei kalten Schultern, wird mit Engelszungen besungen, von Möhrchen umtanzt, von Zucchini umwirbelt und mit Dal bekocht. Daß dennoch bis kurz vor Schluß keiner der Beteiligten auch nur ahnt, was der jeweils andere im Herzen führt, verdankt sich einer Dramaturgie der langen, langen, langen Leitungen. Sie ist Teil der mühsam vorgetragenen Anstrengungen, der kunterbunten, wildromantischen Naivität des indischen Unterhaltungsmusicals mit behäbiger Schweizer Gründlichkeit beizukommen.

Während man sich aber in Bollywood keiner dicken Träne, keines Liedchens und keiner an den Haaren oder Ohren herbeigezogenen dramatischen Verwirrung schämt, beweist diese am Rechenschieber zusammengeschüttelte Genreparodie, daß aus doppelt gegrilltem Quark eben einfach kein Paneer zu machen ist, zumindest nicht so. Schließlich kann man nur hoffen, daß im Berner Oberland einigermaßen nachhaltig produziert wurde und irgendwann Gras über die Sache wächst.

[ Sylvia Görke ]

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