Originaltitel: THE BURGLAR

Israel/D/F 2017, 94 min
FSK 16
Verleih: Eigenverleih

Genre: Drama, Erwachsenwerden, Experimentalfilm

Darsteller: Lihi Kornovsky, Ronald Zehrfeld

Regie: Hagar Ben Asher

Kinostart: 03.01.19

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The Burglar

Gepard und Messer

Ein luzider Traum in karger Landschaft. Und wenn Sie auch so gerne Regisseurinnen googeln, auch Hagar Ben Asher ist so ein Traum. Denn sieht sie nicht aus wie Julia Roberts, die Locken, der Blick, die Nase? Dann werden Sie aber auch lesen, daß die israelische Regisseurin den Vergleich haßt, der sie schon immer verfolgt.

Das tote Meer, alte dicke Körper, die mit Schlamm eingerieben werden müssen; sie – noch ein Mädchen – in einer Ganzkörperuniform, dazu ein Messer. Das hat Yaeli gefunden nach dem Einbruch in ihre Wohnung. Zerstört und leer ist diese seither und war es an sich auch schon davor. Ihre Mutter ist weg. Yaeli weiß nicht wohin, wahrscheinlich ist ein Mann im Spiel. Ben Asher läßt sie losziehen und den Vater suchen. Oder ist dieser Mann auch nur ein Freund gewesen? Jedenfalls hat er eine kleine Tochter, um die er sich jetzt kümmern muß. Yaeli driftet, fängt an, die Leere in sich zu füllen.

In der Nacht steigt sie in fremde Wohnungen ein. Meist, um nur zu lauschen, zu beobachten, einfach dabei zu sein. Alles beginnt zu flirren und zu verschwimmen. Yaeli beginnt, obsessiv fremde Dinge zu verrücken, neu anzuordnen, zu stehlen: das Hörgerät ihrer Nachbarin, einen Lippenstift, auch Geld. Davon kauft sie sich ein Moped. Auch Ben Asher gibt zu Protokoll, früher eine gute Diebin gewesen zu sein. Es ist eine Form der Selbstermächtigung, ein Kick, in Yaelis Fall auch Ablenkung vom eigenen Schmerz.

Ansonsten schuftet sie, denn der Vermieter will sein Geld, selbst den Job ihrer Mutter im Zoo übernimmt sie. Dann taucht ein deutscher Erdbebenexperte auf, viel älter als sie. Yaeli will ihn, seine Liebe, malt sich die Lippen rot, will verführen. Ben Asher will das auch. Sie läßt den Geparden los, ein Körper treibt leblos im Meer, und die Schichten der Handlung ergeben ein rätselhaftes Muster.

Dabei wächst Yaeli, wird zur Frau, findet die Kraft, Wut zu haben, einzufordern. Der ältere Mann will es dabei nicht genau wissen, wie jung der Körper wirklich ist, der sich ihm gibt. Ist es dann schließlich Liebe? Lihi Kornovsky spielt die Metamorphose eines verstörten Mädchens mit Intensität und Authentizität. Sie wird immer mehr zu dem wilden, stolzen Tier in ihr. Dabei muß nicht immer verstanden, dafür aber viel mehr gefühlt werden. Die vorbeiziehenden Bilder geben keinen äußeren Sinn vor, sondern lösen im Inneren etwas aus – bei ihren Heldinnen und den Betrachtern.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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