Originaltitel: THE CRAZIES

USA 2010, 101 min
FSK 18
Verleih: Kinowelt

Genre: Horror

Darsteller: Timothy Olyphant, Radha Mitchell, Joe Anderson

Regie: Breck Eisner

Kinostart: 27.05.10

1 Bewertung

The Crazies

Ansteckend krasser Seuchen-Horror

Manchmal ist es doch ganz entspannend, wenn Inhaltsangaben von Filmen auf einen Bierdeckel passen, so wie hier: In einer amerikanischen Kleinstadt (Population ca. 1300 Bewohner) gerät das beschauliche Leben aus den Fugen, als brave Bürger plötzlich durchdrehen und ihre Familien oder Freunde töten. Ein Helden-Quartett, darunter Sheriff David nebst schwangerer Frau, kämpft zunehmend verzweifelt gegen diese Hölle auf Erden – das war’s eigentlich schon. Und natürlich mögen mißgünstige Zeitgenossen auch sonst einiges bemäkeln, wie zum Beispiel den Fakt, daß schauspielerisch kaum etwas verlangt und noch weniger geboten wird, selbst wenn Timothy „David“ Olyphant ganz allerliebst mit seinen Dackelaugen rollen kann. Aber trotzdem steckt hier einiges mehr dahinter.

Nicht nur, daß diese Neuauflage von Romeros weniger bekanntem Klassiker die einst omnipräsente und mithin nervige Gesellschaftskritik auf ein besonders zynisches Minimum reduziert, auch sonst wurden Pferdefüße des Originals ausgebügelt. Namentlich betrifft das wesentlich professionellere Spezialeffekte oder eine deutlich weniger billige Optik. Was jedoch auf keinen Fall mit dem Werbespot-Look moderner Horror-Remakes verwechselt werden darf, Blaufilter und ähnlicher Nonsens bleiben außen vor.

Überhaupt setzt THE CRAZIES im Gegensatz zu aktuellen Zweitaufgüssen, welche meist ausschließlich durch – zuletzt bei A NIGHTMARE ON ELM STREET gesehene – langweilige Einfalt oder akustisches Gebrüll erschrecken, auf gute alte Tugenden. Man fühlt sich tatsächlich manchmal in selige 80er-Zeiten versetzt, erfreut sich an dreckigen Bildern, dem Spiel mit Erwartungen, nachvollziehbaren menschlichen Regungen, psychischer Härte sowie dosierten Grobheiten statt Blutbädern, obwohl Regie und Kamera zwischendrin durchaus auf Kuschelkurs mit großflächigen Wunden gehen. Atmosphäre heißt das Zauberwort, so schlicht und effektiv, man glaubte als Horrorfan schon gar nicht mehr an ihre Existenz.

Steht beispielsweise eine sympathische Hausfrau vor den rotierenden Klingen eines Mähdreschers, erzeugt das automatisch Schweißausbrüche; und zwar, so viel sei verraten, zu Recht, denn ihr Schicksal wird ganz anders als gedacht, aber trotzdem erschütternd finster sein. Und die nicht weniger konsequente Autowaschanlagen-Szene könnte dazu führen, daß man zukünftig sein Gefährt lieber Dreckschichten ansetzen läßt ...

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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