Originaltitel: THE FOUNDER

USA 2016, 115 min
FSK 0
Verleih: Splendid

Genre: Biographie, Komödie

Darsteller: Michael Keaton, Laura Dern, Nick Offerman, John Carroll Lynch, Patrick Wilson

Regie: John Lee Hancock

Kinostart: 20.04.17

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The Founder

Den M-Bogen raus

Wir müssen reden und zwar über Island, diese kleine tapfere Insel des guten Geschmacks. Deren Einwohner haben ja durch blankes Verweigerungsbeißen McDonalds rausgeworfen. Im Oktober 2009 schloß in Reykjavik die letzte Filiale, der finale Burger kam ins Museum. Die Fastfood-Giganten aus den USA hat es kaum gejuckt, denn reichlich 36 000 Läden in 120 Ländern bleiben geöffnet. Tendenz: dauerhaft.

McDonalds? Kennen Sie nicht, Sie gehen ja nicht hin! Das auf Tatsachen beruhende Kino hilft uns wieder auf die Sprünge, durchaus auch im erweiterten Sinne. Denn wer noch immer dem Irrglauben erliegt, der US-Amerikaner an sich neigt erst seit dem letzten Wahljahr zu sehr merkwürdigem Verhalten, auch dem zeigt John Lee Hancocks THE FOUNDER so unterhaltsam wie erleuchtend eine andere Version. Die ist nicht neu, stimmt! Aber sie stimmt.

Nicht einer, sondern erst sechs, dann acht – Ray Kroc wundert sich. In San Bernardino wurden tatsächlich acht Multimixer geordert. Der bislang eher glücklose Vertreter für Küchengeräte will sich selbst von der korrekten Bestellung überzeugen und wird Zeuge einer Unglaublichkeit: Rudelweise stehen Menschen an der Imbißbude von Mac und Dick McDonalds. Die Kunden bekommen ihr Fast Food wirklich fix. Burger, Shakes, Pommes werden innerhalb von nicht mal einer Minute über die Theke gereicht. Und, Goddamn!, es schmeckt auch noch! Kroc wittert Busineßduft. Erst recht, nachdem ihm die Besitzer freimütig – nach Trockenübungen auf dem Tennisplatz – ihre modifizierte Bratstrecke vorgeführt haben.

Ray Kroc hat in seinem Händlerleben schon alles vertickt, später wird man ihn unsanft daran erinnern. Das allerdings, was diese McDonald’s in den frühen 50er Jahren entwickelt haben, lohnt, ein Wort wie Franchise neu buchstabieren zu lernen. Ihr eigener Versuch zu expandieren ist fehlgeschlagen. Richtig vehement haben sie es gar nicht versucht. Auch deshalb schicken sie Ray Kroc wieder zu seiner Frau zurück. Doch er wird wiederkommen. Klar wird er das!

Es ist diese langsame Autofahrt durch amerikanische Kleinstädte, die Kroc gemahnt, Mac und Dick am Nationalstolz zu packen. In jedem Kaff steht eine Kirche, weht ein Star Spangled Banner -– Brüder, laßt McDonalds die neue Kirche sein! Macht’s nicht für Euch, macht’s unter dem güldenenen M-Bogen für Amerika! Der Rest der Geschichte ist Realität. Außer auf Island.

Nicht ohne Grund heißt der flott geschnittene, sich wie ein Messerschnitt durch weiche Butter anfühlende Film THE FOUNDER. Denn hier wird nicht die Geschichte der Verlierer erzählt, wenn man von Verlierern reden mag. John Lee Hancock beschreibt die McDonalds zunächst launig und knapp mit eigener Historie, im Verlaufe der Handlung aber eher als Papiertiger, die weder auf Familientradition noch auf kontrollierbare Ehre und Qualität verzichten wollen und sich am harten Hund Ray Kroc die Zähne ausbeißen.

2014, 2015, 2016 – drei Jahre im Leben des späten Michael Keaton mit drei Filmen, die den Seltenen noch einmal besonders machen: BIRDMAN, SPOTLIGHT und nun THE FOUNDER. Wie er gerade in Letzterem zwischen diabolischer Präsenz, doppelbödiger Glätte und zackiger Kontur changiert, ist A-Klasse pur! Er verleiht, nein, schenkt seiner Figur das, was ihn selbst am meisten auszeichnet: Ausdauer, Talent, Glück. Ray Krocs radikaler Geschäftssinn und seine fiesen Züge wären in Bezug auf den Menschen Keaton allerdings eine sehr gewagte Projektion.

[ Andreas Körner ]

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