Originaltitel: THE HAPPY PRINCE

GB/D/I/Belgien 2017, 105 min
FSK 12
Verleih: Concorde

Genre: Drama, Biographie

Darsteller: Rupert Everett, Colin Firth, Emily Watson, Colin Morgan

Regie: Rupert Everett

Kinostart: 24.05.18

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The Happy Prince

Filmische Oper in Moll und entrückter Elegie

Herzenssachen sind heikle Angelegenheiten. Trüben die einem doch gern mal den Blick, lassen einen das Maß verlieren. Der Schriftsteller Oscar Wilde zum Beispiel, der wußte das sehr gut. Und auch dem Schauspieler Rupert Everett dürfte das alles andere als fremd sein. Was man jetzt durchaus auch dessen Regiedebüt nach eigenem Drehbuch anmerkt. THE HAPPY PRINCE heißt der Film, in dem Everett dann auch gleich noch die Hauptrolle übernahm. Ein Film, der von den letzten Lebensjahren Oscar Wildes erzählt. Ein Film, der spüren läßt, daß es für Everett eine wichtige Herzenssache war, ihn zu drehen. Und ein Film, der wohl auch darum dazu neigt, das Maß zu verlieren. Aber muß das in der Kunst von Nachteil sein?

Natürlich bietet es sich jetzt an, mal auf den Fundus jener Aphorismen und Bonmots zurückzugreifen, die Wilde Zeit seines Lebens aus dem Ärmel zu schütteln pflegte. Das zum Beispiel paßt prima: „Mäßigkeit ist verhängnisvoll; nichts hat so viel Erfolg wie das Übermaß.“ Seinen Erfolg nun – auch den hatte Wilde genossen, und das durchaus in einigem Übermaß, ganz so, als ahnte er schon zu jenen Zeiten, als er noch der Lieblingsexzentriker der besseren Gesellschaft war und als Paradiesvogel auf der Erfolgswelle ganz oben schwamm, daß sich all das bald ins Gegenteil verkehren würde.

Die Handlung von THE HAPPY PRINCE setzt 1897 ein. Drei Jahre hatte Wilde da noch zu leben. Hinter ihm liegen die Zeiten des Ruhms und die von Haft und Zwangsarbeit. Auf den gesellschaftlichen Aufstieg folgte die Ächtung. Daß Wilde sich erdreistete, seine Homosexualität offen (!) auszuleben, konnte ihm das viktorianische England nicht durchgehen lassen. Das Exempel, das man an ihm statuierte, war von brutaler Gründlichkeit. Als gebrochener und ruinierter Mann flüchtet Wilde nach der Haft ins französische Exil. Als ihn dort sein junger Geliebter Lord Alfred „Bosie“ Douglas besucht, flackert für einen Moment die Illusion auf, das Feuer des schwelgerischen Lebens von einst ließe sich noch einmal entfachen.

THE HAPPY PRINCE ist ein Melodram des schwärmerisch pathetischen Abgesangs; filmische Oper in Moll und oft entrückte Elegie. Die dabei auch hier zu hörenden Bonmots, wie auch der Blick für die Komik in der Tragik (den sich Everett gottlob nicht trüben ließ), schwächen den Ton des Melodrams keinesfalls ab. Und natürlich ist auch dieses Melodram dann vor allem ein Liebesdrama, wenn Wilde, ob der Wahl zwischen zwei Männern, dem affektieren Narzißten und dem still Loyalen, sich für den Narzißten, für Bosie nämlich, entscheidet. Daß just der wiederum derjenige ist, der in einer großen Arie der Grausamkeit Wildes dichterisches Werk als weitteiliges Mittelmaß brandmarkt, ist auch insofern interessant, als daß man zumindest hier dem Bosie nicht so recht widersprechen mag.

Denn man lausche ihnen, den Passagen aus jenem Kunstmärchen Wildes, dem Everett den Titel für seinen Film entlehnte und die diesen leitmotivisch durchziehen. Sagen wir so: Es paßt zum Adagio lamentoso aus Tschaikowskis Sinfonie Nr. 6 „Pathétique“, die hier das Finale untermalt. Zu maßlos? Ja, auch das. Zugleich aber vibriert das angemessen nach, wenn im Abspann darauf hingewiesen wird, daß erst im letzten Jahr für Oscar Wilde wie auch tausende weitere Männer, die wegen ihre Homosexualität strafrechtlich verfolgt wurden, die juristische Rehabilitation erfolgte.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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