Originaltitel: THE KINDNESS OF STRANGERS

DK/Kanada 2018, 115 min
FSK 12
Verleih: Alamode

Genre: Drama

Darsteller: Zoe Kazan, Andrea Riseborough, Tahir Rahim, Caleb Landry Jones, Bill Nighy, Jay Baruchel

Regie: Lone Scherfig

Kinostart: 12.12.19

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The Kindness Of Strangers

Palast der einsamen Herzen

Dunkle Tage, frühe Nächte, und die Herzen füllen sich mit melancholischer Sentimentalität. Schon deshalb leuchtet die Verleihentscheidung, Lone Scherfigs Geschichte, in der die Worte Vergebung und Liebe allgegenwärtig blinken, blitzen und prangen, in der Vorweihnachtszeit zu plazieren, völlig ein. Im frühlingshaften Sonnenlicht betrachtet, hätten vielleicht einige dramaturgische Entscheidungen recht dick aufgetragen gewirkt und das fragile Erzählgebilde eines Ensemblefilms stärker erschüttert, denn alle Figuren müssen sich ja, so will es das Genre, begegnen, verlieren und bestenfalls verlieben.

Doch so läßt man sich unumwunden ein, auf Clara, bezaubernd dargestellt von Zoe Kazan, als zerbrechlich schöne Mutter, die ihre Kinder, ganz tolle warmherzige und kluge Jungs, vor ihrem gewalttätigen Ehemann retten will. Auf Alice, eine Mutter Teresa unter den Krankenschwestern, die tagsüber im Krankenhaus malocht, um am Abend eine Selbsthilfegruppe in einer Kirche zu leiten. Dazwischen gibt sie auch noch Essen an Obdachlose aus. Auch Jeff landet irgendwann an diesem Tresen, weil er leider für die meisten Jobs so gar keine Begabung mitbringt, dafür aber eine treue Seele ist. Dann gibt es noch Marc, einen Ex-Häftling, der wortkarg und dabei extrem charmant ist. Sowie John Peter, seinen Anwalt, der die meisten Fälle verliert, aber Marc nach drei Jahren Gefängnis immerhin aus Gleichem rausboxen konnte.

Zur Feier des Tages landen die beiden in Timofeys russischem Restaurant, in welchem Marc noch am selben Abend die Position des Küchenchefs übernimmt. Der „Winterpalast“ als russische Exil-Nobel-Kulisse, die allerlei Folklore zu bieten hat, serviert mit viel Krimsekt und Kaviar, wird zum Schutzraum der Einsamen und Getriebenen, die versuchen, sich im kalten und grauen New York durchzuschlagen.

Scherfig richtet dabei ihren Blick auf Menschen, die kaum mehr haben als sich selbst. Aber auch wenn sie diese Schicksale in rosa Zuckerwatte packt und jeden Einzelnen überleben und sogar das Glück finden läßt, so fällt auf, daß diese Form der Romantik deutlich Spuren unserer Zeit trägt. Die Isolierung des Einzelnen, fehlende Empathie der Anderen, die Verschärfung sozialer Gegensätze – all das zeigt Scherfig im kinoaffinen Gewand, um für Wärme und Mitmenschlichkeit zu werben. Wie nebenher gelingt ihr damit ein kleines, anrührendes Wunder – der Weihnachtsfilm des Jahres!

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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