Originaltitel: THE NICE GUYS

USA 2016, 115 min
FSK 16
Verleih: Concorde

Genre: Action, Komödie

Darsteller: Ryan Gosling, Russell Crowe, Margaret Qualley, Kim Bassinger

Regie: Shane Black

Kinostart: 02.06.16

2 Bewertungen

The Nice Guys

Unterhaltsam, lässig, stylish

„A schöne Leich“ würde wohl der Wiener dazu sagen. Also zu dieser Misty Mountain, dem Pin-up-Girl und Nacktmodel, das eben aus ihrem Sportwagen geschleudert wurde, welcher seinerseits von einer nächtlichen Straße in den Hollywood Hills abkam und dabei durch dieses Einfamilienhaus krachte, in dessen Garten dann die Misty liegt. Nackt natürlich (ist eben Nacktmodel) und trotz einiger böser Schrammen schlichtweg atemberaubend. Genau so sieht sie dann auch mit staunenden Augen der Junge, der eben noch in besagtem Haus – so geht es manchmal zu im Leben – eines von Daddys bunten Heftchen stibitzte, um sich just der Fotostrecke mit der (natürlich nackten) Misty zu widmen.

Yeah! Das ist doch mal was, wie hier Shane Black seine THE NICE GUYS startet. Ein Intro wie ein funky Fingerschnippen zum Taktvorgeben. Auch, weil die letzten Worte, die die Misty dann, also bevor sie zur „schönen Leich“ wird, haucht, die ersten Worte dieses Films sind – und auf einen Film verweisen, um den es hier dann bald gehen soll. Einen schmuddeligen Sex-Streifen nämlich, der dabei aber alles andere als nur ein schmuddeliger Sex-Streifen ist, weil von einiger politischer Brisanz, und dem deshalb einige auch dunkle Gestalten nachjagen und …

Aber Stop! Verheddern wie uns jetzt bloß nicht in wirre Inhaltsangaben, sondern schauen auf das Wesentliche. Nämlich auf den Umstand, daß THE NICE GUYS ein Idealfall ist an unterhaltsamem, relaxtem, stilvollendetem Popcorn-Sommerkino. Eine Krimikomödie, ein Buddy-Movie, ein Retro-Trip: Im Los Angeles des Jahres 1977 spielt diese Geschichte um die zwei ungleichen Privatschnüffler Holland (einsamer Wolf mit Plauze: Russell Crowe) und Jackson (verpeilter Alleinerzieher mit Schnauzer: Ryan Gosling), die erst heftig aneinandergeraten und sich dann herrlich zusammenraufen auf der Suche nach einem vermißten Mädchen und der Jagd nach erwähntem Film.

Klar, der Plot ist vorrangig Vehikel für aufs Witzigste funkelnde Dialoge und detailverliebte Interieurs. Stylish und sexy und gewürzt mit rauhbeiniger Action, verliert THE NICE GUYS seine Figuren dabei dennoch keine Sekunde aus den Augen. Und auch fürs Emotionale ist bestens gesorgt, wenn ein arg dem Alkohol zugetaner, weil am Tod seiner Frau kauender, Daddy Jackson eher von seiner Teenager-Tochter umsorgt wird als umgekehrt. Auch diesbezüglich ist THE NICE GUYS schlicht bestes Unterhaltungskino. Oder sagen wir es so: a schöner Film.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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