Originaltitel: THELMA

Norwegen/F/DK/S 2017, 116 min
FSK 12
Verleih: Koch Films

Genre: Horror, Drama

Darsteller: Eili Harboe, Kaya Wilkins, Henrik Rafaelsen

Regie: Joachim Trier

Kinostart: 22.03.18

3 Bewertungen

Thelma

Des Satans jüngste Tochter

Immer mehr Mystery zieht ins Arthouse-Kino ein. Nehmen wir nur mal THE UNTAMED von Amat Escalante oder THE KILLING OF A SACRED DEER von Yorgos Lanthimos. „Authentizität“, sprich: dokumentarische Anmutung, ist als Maßstab für Filmkunst offenbar überwunden. Zumindest werden die Fenster aufgestoßen und eine Brise Fantasy und Genrekino bereichert die Luft.

Auch der Norweger Joachim Trier, der zuletzt mit LOUDER THAN BOMBS seine erste internationale Produktion realisierte, wollte nun endlich einen Suspense-Film machen, nicht in den USA, sondern zu Hause. Das ist ihm gelungen. Es ist ein atmosphärischer Mystery-Thiller geworden, der von Norwegens dunklen Wäldern und von Oslos kühler Architektur profitiert und unzählige filmhistorische Assoziationen weckt.

Die Ausgangslage ähnelt dem Drama REQUIEM, in dem Sandra Hüller ihre streng religiöse Familie verläßt, um in der Stadt zu studieren, bis sie epileptische Anfälle bekommt und von ihren Eltern einem Exorzismus unterzogen wird. Thelma, die in Oslo Biologie studiert und sich in eine Kommilitonin verliebt, ist allerdings keine einfache Epileptikerin, sondern verfügt wirklich über übernatürliche Kräfte, die sich freisetzen, als sie sich von ihren Eltern emanzipiert und ihre Sexualität entdeckt. Das wiederum rückt den Film näher an den Horror-Klassiker CARRIE. Denn das, was Thelma in sich trägt, ist durchaus unheimlich, auch für sie selbst. Ist es damit aber auch böse?

Schwarze Vögel, die verhängnisvoll gegen die Scheibe schlagen, über den Teppich kriechende Schlangen – Trier übertreibt es zuweilen mit der Ankündigungssymbolik. Und dennoch findet er einen packenden Zugriff. Langsam, aber stetig entwickelt er Geschichte und Hauptfigur. Passend dazu die erste Einstellung auf Thelma: Die Kamera zoomt sich aus der Vogelperspektive so lange an den Campus heran, bis wir sicher sind, unter den vielen dahineilenden Studenten die Hauptfigur gefunden zu haben. Eili Harboe spielt die verunsicherte junge Frau, die ihre Untiefen für sich zu nutzen lernt, so sinnlich, daß es durchaus gerechtfertigt scheint, wenn Kronleuchter zu schaukeln beginnen, Straßenlaternen flackern und Scheiben bersten. Und schon sitzen wir im Genre-Boot.

Die Deutung des Gut-Böse-Schemas überläßt uns Joachim Trier allerdings selbst. So viel Zugeständnis an die gute alte Filmkunst muß dann doch sein.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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