Originaltitel: TOM OF FINLAND

Finnland/S/DK/D/USA 2017, 115 min
FSK 12
Verleih: MFA

Genre: Biographie, Drama, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Pekka Strang, Lauri Tilkanen, Jessica Grabowsky, Jakob Oftebro

Regie: Dome Karukoski

Kinostart: 26.10.17

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Tom Of Finland

„Mehr Leder!“

So äußerte eine geschätzte Kinobetreiberin nach gemeinsamer Sichtung ihre Wünsche markig und kurz, formulierte gleichzeitig einen Knackpunkt, weil es stimmt – was einen typischen Tom-Of-Finland-Kerl ausmacht, gibt’s hier kaum zu sehen. Ob der geforderte Dresscode, dichte Gesichtsbehaarung, muskulär bedingt größere Brüste als viele Frauen oder zwischen den Beinen ein Riesenwuchs, der jeden Hengst in beschämte Trauer treibt: wenig davon visualisiert, FSK 12 eben. Und verläßt dann ein derartiges vermeintliches Prachtexemplar der Gattung Kerl doch sein gezeichnetes Dasein, wird Leinwand-Fleisch, wirkt diese virile Überhöhung eher erheiternd denn erotisch. Manches sollte lieber auf dem Papier bleiben.

Notwendige Erwartungs-Korrektur erledigt, jetzt wieder zum Biopic, welches in Kriegszeiten beginnt, zurückhaltend züchtig maskulines Badevergnügen sowie gestohlene Küsse (und Sex) im Wald streift, Touko Valio Laaksonen, wie der spätere Tom eigentlich heißt, beim ersten Zeichnen freizügiger bis pornographischer Bilder beobachtet – der Rest ist schwule Geschichte. Der wir nun folgen, und zwar ziemlich konventionell inszeniert: Lebensstationen reihen sich aneinander, Homosexualität entspricht „Verwirrung“, eine Anmache geht brutal schief; keine leichten Zeiten für dem eigenen Geschlecht zugeneigte Männer. Dazwischen allgemeingültige, weitgehend unangezweifelte Bekenntnisse: „Mein Schwanz ist der Chef.“

Trotzdem auch eine Reise zurück in der Zeit, da qualmt man politisch unkorrekt vor schauerlichen Tapeten, Lampenschirme zieren häßliche Trotteln, und schaut ein Deutscher vorbei, hegt er völlig selbstverständlich tiefe Sympathie für braunen Abfall, trauert den KZs hinterher. Episodisch geht’s um zermürbende Versteckspiele kontra wachsendes Selbstbewußtsein, schwule Emanzipation. Ergänzend amüsiert – unfreiwillige? – Komik, wenn „Ich bin versaut!“ abschreckende Wirkung entfalten soll, und Tom altert im Takt der sich teilweise zu lang anfühlenden Minuten, während die andererseits gebotene Eile Menschen schlicht abhakt.

Interessant dabei eine durch Filmerfahrung erworbene Konditionierung: Hüstelt ein schwuler Charakter mehrfach, provoziert das fast automatisch AIDS-Gedanken. Was wenigstens vorerst indes überraschenderweise nicht zutrifft, außerdem zur emotional stärksten Szene führt – einer indirekten Verpartnerung im Stoffgeschäft.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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