Originaltitel: EARTH

GB/D 2007, 98 min
FSK 6
Verleih: Universum

Genre: Dokumentation, Natur

Stab:
Regie: Alastair Fothergill, Mark Linfield
Drehbuch: Alastair Fothergill, Mark Linfield

Kinostart: 07.02.08

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Unsere Erde

Beeindruckende Naturdoku ohne Tränendrüsendrückerei

nmitten einer strahlend weißen Gletscherlandschaft blinzeln zwei kleine Eisbären zum ersten Mal in ihrem Leben ins Tageslicht. Sie genießen die Wärme des beginnenden Frühlings und tollen ausgelassen durch den Schnee. Ihre nach der monatelangen Winterfastenzeit ausgehungerte Mutter hat anderes im Sinn. Wie jeder Eisbär muß sie im Frühjahr ihre Energiereserven auffüllen. Um Robben zu jagen, muß sie schnellstens aufs Packeis - sie spürt, daß ihr nicht mehr viel Zeit bleibt. Durch die Klimaerwärmung wird die fragile Packeiszone immer früher im Jahr brüchig. Nach und nach verlieren die Eisbären so ihre Jagdgründe, viele verhungern, weil ihnen buchstäblich das Eis unter den Tatzen wegschmilzt. Es ist die Kraft der Sonne, die Leben erst ermöglicht, es aber gleichzeitig auch wieder gefährdet, das gilt für den Nordpol genauso wie für die Kalahari.

Alastair Fothergill, der bereits mit seiner Unterwasser-Doku DEEP BLUE einen herausragenden Naturfilm vorlegte, hat sich nun den absoluten Rundumschlag vorgenommen. Getreu der Maxime "Am Anfang war die Sonne!" erklärt er in knapp 100 Minuten die Entstehung und Entwicklung unseren Planeten am Beispiel verschiedener Tierarten auf allen Kontinenten. Als "Hauptdarsteller" zwischen mehr als 30 vorgestellten Tierarten fungieren drei Tiermütter (neben der Eisbärin und einer Elefantenkuh stehen eine Buckelwal-Dame und ihr Junges im Mittelpunkt), die versuchen, ihren Kindern in einer gefährlichen Umwelt einen Weg ins Leben zu ebnen.

Als gelernter Zoologe setzen Fothergill und sein Co-Regisseur Mark Linfield vor allem darauf, die komplexen Zusammenhänge zwischen Evolution, Klimaveränderung und den menschlichen Eingriffen in die Umwelt verständlich zu erklären. In Unsere Erde müssen keine dramatischen tierischen Einzelschicksale herhalten, um den Zuschauer zu fesseln. Das erledigen schon die unglaublich dynamischen Tieraufnahmen, die man so wirklich noch nicht gesehen hat.

Dabei werden die Tiere nicht vermenschlicht (endlich ein Tierfilm, bei dem die Augen trocken bleiben!) und die Menschen nicht verteufelt. Diese mit Abstand teuerste und aufwendigste Naturdokumentation aller Zeiten ist kein vordergründig politischer Film, der aus Zuschauern Umweltaktivisten machen will, sondern eine Liebeserklärung an die lebendige Vielfalt unseres Planeten, die auch (aber nicht nur) für Kinder - gerade nach der Invasion der sprechenden Pinguine - sehenswert ist.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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