Originaltitel: LA BEFANA VIEN DI NOTTE

I 2018, 98 min
FSK 6
Verleih: Little Dream

Genre: Kinderfilm, Abenteuer, Märchen

Darsteller: Paola Cortellesi, Stefano Fresi

Regie: Michele Soavi

Kinostart: 07.11.19

1 Bewertung

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

Italienischer Weihnachtshorror

Befana, so heißt die Weihnachtshexe in ihrer italienischen Heimat, schwingt sich eigentlich in der Nacht des Erscheinens der Heiligen Drei Könige auf ihren Besen, um das Jesuskind zu suchen. Dabei verteilt die Alte Geschenke oder gegebenenfalls Kohlen an die Kinder, je nachdem, wie brav sie gewesen sind.

Michele Soavis Weihnachtshexeninszenierung ist vielleicht einiges vorzuwerfen, aber sicher nicht, daß sie „brav“ ist. Dabei folgt seine Geschichte zunächst der gängigen Weihnachtsfilmvorlage: Jemand, in diesem Fall der bösartige Mr. Johnny, will verhindern, daß die Weihnachtshexe ihre Arbeit tut, und er selbst will die Weltherrschaft über alle Kinder an sich reißen. Deshalb wird Paola, die seit 500 Jahren in einem beschaulichen Städtchen tagsüber als Lehrerin unterrichtet und des Nachts ihrem Hexenhandwerk nachgeht, von den tollpatschigen Handlangern des Spielzeugfabrikanten Johnny entführt. Der Fiesling kann nur bedingt etwas für seinen miesen Charakter. Hätte die Weihnachtshexe ihn vor 20 Jahren nicht vergessen zu beschenken, wäre aus dem pummeligen Giovanni vielleicht ein ganz Netter geworden. So zumindest Mr. Johnnys Theorie. Natürlich gibt es noch die übliche Gruppe Kinder, die die Weihnachtshexe retten wollen. Und das geht nur mit Zusammenhalt. Das ist die Moral, die Soavi mehrfach erzählerisch ziemlich plump herausstreicht.

Ansonsten bedient sich der Regisseur moderner Verfolgungsgefährte. So saust Johnny ähnlich plump aussehend durch die Lüfte wie Touristen, die mit dem Segway die Stadt erkunden. Modernität paart Soavi dann aber mit martialischen Bildern, die an Hexenverbrennungen und perfide Foltermethoden denken lassen. Wahrscheinlich dachte sich Soavi, daß Kinder heute ja so einiges gewohnt sind, und hat deshalb den ganzen Weihnachtsweichspüler weggelassen und auf Schock gesetzt.

Nur täuscht das leider nicht darüber hinweg, daß er grobe dramaturgische Schnitzer und schlampige Anschlußfehler produziert hat, die sich nicht einmal von Kindern in Angststarre weggucken lassen. Das Zermalmtwerden in einer Schrottpresse, Spritzen, die in Hexennasen gerammt werden, und Bösewichte, die neben purer Fiesheit kein Fünkchen Humor versprühen, verbreiten ziemlich dystopische Weihnachtsgefühle. In Italien avancierte der Film trotzdem zum Weihnachtshit.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

Lesezeichen:

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe ab heute im Kino in Leipzig

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.