Österreich 2017, 105 min
FSK 12
Verleih: Real Fiction

Genre: Dokumentation

Regie: Michael Glawogger, Monika Willi

Kinostart: 26.10.17

Noch keine Bewertung

Untitled

Das Vertrauen auf das Leben der Bilder

Einen Film ohne Thema machen, reisen und Bilder sammeln, das war der Traum von Regisseur Michael Glawogger, der drei Jahre nach seinem Tod nun für uns sichtbar gemacht wird. Glawoggers Cutterin Monika Willi beendet das Projekt mit einer sensiblen und pointierten Montage aus beeindruckenden Alltagsbildern einer Sehnsuchtsreise durch den Balkan nach Italien und weiter durch Nord- und Westafrika, doch markiert damit kein Ende. Entstanden ist ein zirkulierender Essayfilm, der uns in eine Bilderwelt entführt, nahe am Ereignis, dem Zufall vertrauend und mit spürbarer Lust an der Entdeckung. Ausgewählte Originaltöne erzählen Splitter der bereisten Orte und lassen den Moment aufleben, während prophetische Beobachtungen des Regisseurs durch den Film wehen und kantige Sounds den Bildern den letzten Schwung geben, um abzuheben, oder die Einstellung brechen.

UNTITLED ist wahrhaftig ein Film, der nie zur Ruhe kommt. Er ist ein Erlebnis, das in uns weiterlebt und dort seine innere Reise fortsetzen kann. Wir sind bei den Kindern, wir sind bei den Tieren, wir sind nachts unterwegs, und vor allem sind wir unterwegs. Ein Springen zwischen den Welten, zwischen den Zeiten, zwischen Spiel und Sein, Schlafen und Überleben. Und dort finden wir einen Zauber, der einfangen kann, was nur wenige Filmemacher schaffen. Ein Hinschauen und Hinfühlen, ein Anwesendsein, das aus der Mitte der Dinge kommt. Wir können unserer Intuition folgen, wenn wir die Bilder lesen, allem voran sie auf uns wirken lassen. Ein Einsickern, das in unseren vorteilsbehafteten Köpfen einen neuen Gang veranlaßt, der befreit von Berührungsängsten und Klischees umherschwingt und pulsiert – und in uns eine starke Verbindung aufbaut.

Das macht UNTITLED zu einer Erfahrung, so berührend, daß es schwierig ist, sie in passende Worte zu übersetzen. Das Wissen darum, daß der großartige Dokumentarfilmer, der während dieser Reise verstarb, mit dem Projekt auf einer filmischen Suche war, die zu keiner Wertung und keinem Ziel führen sollte, macht das Filmerlebnis noch eindrücklicher.

Willis Montage ist es gelungen, den Film von jeglichen Erwartungen zu befreien und in seiner Schönheit die tiefe Melancholie zum Vorschein zu holen, die bereits in den Bildern – eingefangen durch Kameramann Attila Boa – zwischen Dokumentarismus und Inszenierung zu vibrieren scheint.

[ Katharina Wittmann ]

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