D 2016, 87 min
FSK 0
Verleih: Farbfilm

Genre: Dokumentation

Regie: Susan Gluth

Kinostart: 26.05.16

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Urmila – Für die Freiheit

Mitreißende Doku über eine junge Aktivistin

Man sieht Urmila Chaudhary nicht an, wie hart das Leben ihr bisher zugesetzt hat. Die 25jährige hat ein ansteckendes Lachen und geht selbstbewußt durchs Leben. Dabei sah es vor wenigen Jahren noch so aus, als wäre ihr Schicksal besiegelt. Urmila wurde – wie tausende andere Mädchen in Nepal – im Alter von fünf Jahren für 4000 Rupien (etwa 50 Euro) von ihrer Familie als Kamalari an ein reiches Paar aus der Hauptstadt verkauft. Kamalaris sind Haushaltssklaven, die gezwungen sind, fern ihrer Familie zu leben und bis zu 18 Stunden am Tag schwere Arbeiten zu verrichten.

Für Schulbildung oder gar Freizeit bleibt keine Zeit, eine normale Kindheit ist unter diesen Bedingungen unmöglich. Den Lohn bleiben die Herren häufig schuldig, zudem sind die Mädchen schlimmen Mißhandlungen ausgesetzt. Sind sie erwachsen, werden sie nach Hause zurückgeschickt, und ohne Schulbildung und Einkommen blieb ihnen bisher oft nichts anderes übrig, als die eigenen Töchter zu Kamalaris zu machen.

Diesen Teufelskreis hat Urmila durchbrochen – mit 17 gelingt ihre Befreiung. Mit Hilfe der NGO „Freed Kamalari Development Forum“ (FKDF) bricht sie auf in ein neues Leben, besucht die Schule und versucht, die verlorenen Jahre der Kindheit aufzuholen. Gleichzeitig befreit sie andere Mädchen aus der Knechtschaft und setzt ihre neu gewonnene Stärke ein, um auf politischer Ebene auf das Problem aufmerksam zu machen. Eines Tages will sie als Anwältin für ein Ende der Kindersklaverei sorgen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, zuerst müssen die Schule und dann das Studium bewältigt werden. Urmila pendelt rastlos zwischen Pressekonferenzen, Demonstrationen und Konferenzterminen und findet kaum Zeit für sich selbst. Als sie durch die Schulabschlußprüfung fällt, weil ihr die politische Arbeit keine Zeit zum Lernen ließ, ist ihr klar, daß ihr nur noch eine Chance bleibt.

Regisseurin Susan Gluth porträtiert Urmila nicht als zweite Malala, die in unheimlicher Perfektion immer den richtigen Ton trifft, sondern als junge Frau, die zwischen eigenen und fremden Ansprüchen zerrieben wird. Immer wieder empfiehlt sie den Kamalari-Mädchen dringend, eine Schule zu besuchen, schwänzt jedoch gleichzeitig für deren Befreiungsaktionen den eigenen Unterricht.

Der Film beobachtet Urmila in dieser ambivalenten Situation, und als Zuschauer hofft man, daß es ihr gelingt, sich auf sich selbst zu besinnen: „Urmila“ heißt auf Nepali „Neuanfang.“

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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