D 1985, 87 min
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation, Erotik

Regie: Gerd Klein

Kinostart: 24.06.10

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Verbotene Träume

Old School-Porno – erholsam, amüsant und einschläfernd

Selbst Pornos hatten mal was Unschuldiges. Und wer jetzt also in „aller Unschuld“ mal wieder Schweinkram schauen will, kann das tun –in aller Unschuld und zudem mit der hübschen Feigenblatt-Legitimation des cineastisch-historischen Interesses: VERBOTENE TRÄUME bietet ein Sammelsurium an, wie es so schön heißt, „klassischer Erotica aus Opas Kino der 20er bis 40er Jahre.“ Natürlich speist sich dieser Eindruck der „Unschuld“ aus der Perspektive der Gegenwart. Heutzutage, also in einer Zeit, in der man via Internet sich ja wirklich alles anschauen kann, in der jeder dunkle legale und jeder dunkle illegale Seitenpfad immer breiter getrampelt wird vom Durchschnittsbürger – Porno-Konsumenten jedweder Vorlieben, Obsessionen und Abgründe – in so einer Zeit also nimmt sich eine Kompilation antiquarischen, um es mal einfach beim Wort zu nennen, Rumgefickes regelrecht erholsam aus.

Was VERBOTENE TRÄUME zeigt, sind Mann und Frau, Frau und Frau, gerne auch Mann und Frau und Frau, die es eben miteinander tun auf die weitgehend konventionelle, also gute, alte Art. Ob es auch einen Part Mann und Mann gibt, was nur legitim wäre, nicht nur im Sinne der erotischen, sondern auch politischen Ausgewogenheit, kann hier leider nicht verraten werden – unterm Strich nämlich ist diese Kopulations-Rotation so aufregend wie Schäfchen zählen vorm Einschlafen. Möglich also, daß beim zwischenzeitlich kurzen Wegnicken grade dieser Part verpaßt wurde.

Was ist sonst noch erwähnenswert an diesem Vögel-Reigen in Schwarzweiß? Helge Schneider hat partiell Musik dazu geliefert, Edvard Grieg auch. Letzterer wohl eher ohne sein Wissen (okay, blöder Witz). Wobei man sich, etwa wenn man den 37. Blowjob auf der Leinwand sieht, die Zeit auch damit vertreiben kann zu überlegen, was wohl Grieg davon halten würde, daß seine Musik hier als Porno-Soundtrack fungiert (und irgendwie paßt sie sogar ziemlich gut dazu, muß man sagen).

Kurzum – ein Film, der fürs erste Rendezvous wahrscheinlich eher ungeeignet ist, in dem aber man lernen kann, daß Schambehaarung mal etwas ganz Normales war, und der hübsche Musik zu einschlägigen Bildern liefert. Ob das reicht, um wach zu bleiben, entscheide jeder selbst.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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