Originaltitel: FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN

S/D 2009, 129 min
FSK 16
Verleih: NFP

Genre: Literaturverfilmung, Thriller

Darsteller: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Annika Hallin, Per Oscarsson

Regie: Daniel Alfredson

Kinostart: 04.02.10

2 Bewertungen

Verdammnis

Lisbeth Salander wird gejagt!

Für Anhänger der Schmöker von Stieg Larsson könnte das Kinojahr kaum besser beginnen – wenn sie denn ihren Lesesessel einmal alleine ließen. VERBLENDUNG war der erste Streich, und die Verfilmung des Mittelstücks von Larssons Millennium-Trilogie folgt nun schneller, als mancher befürchten mußte – bloß kein Suchtpotential verspielen. Daß inzwischen der Regisseur gewechselt hat, ist nur kurz Grund zur Besorgnis. Man denke an die durchwachsenen Ergebnisse der losen Reihe von Hannibal-Lecter-Filmen. Aber Larsson ist nicht Thomas Harris, Daniel Alfredson nicht Ridley Scott und Schweden nicht der wilde Filmwesten, in dem für ein gutes Bild schon mal die Geschichte unter die Räder kommt.

Wie im Buch richtet sich der Fokus diesmal stärker auf Lisbeth Salander, die schon im ersten Teil zur heimlichen Hauptfigur avancierte. Das im Umgang gewöhnungsbedürftige Gör mit dem dunklen Herzen, unerhörten Talenten und gepfefferten Fäusten behauptet sich weiter als zeitgemäße schwedische Antwort auf Frankreichs schrille Nikita – einmal mehr verstockt, versehrt und überzeugend gespielt von Noomi Rapace. Ein Zufall läßt sie erneut auf den Journalisten Mikael Blomkvist treffen. Beide recherchieren zur selben Sache: Zwangsprostitution, politische Verschwörung, korrupte Beamte, organisierter Mißbrauch und ein rätselhafter Strippenzieher namens Zala. Während Mikael noch im Dunkeln tappt, erkennt Lisbeth, daß alle Fäden in ihrer eigenen Vergangenheit zusammenlaufen. Aber da wird sie schon in ganz Schweden wegen dreifachen Mordes gesucht ...

Noch einmal: Alfredson ist kein Ridley Scott und verspricht statt großem visuellen Lustgewinn wohl eher handwerkliche Beständigkeit. Doch die löst er wirklich ein. Er setzt das löbliche Werk seines Regievorgängers Niels Arden Oplev fort, gibt sich solide und ganz in die Hand der literarischen Vorlage. Die allerdings überbietet den ersten Teil in Sachen Personal- und Erzählaufwand um einiges. Dieser Herausforderung begegnet Alfredson mit ruppigeren Bildern und kräftigen Verknappungen, denen leider – wer hobelt, macht Späne – einige Nuancen und Figuren des ursprünglichen Plots zum Opfer fallen. Ein etwas diffuserer atmosphärischer Ton macht hier die Musik. Aber an den kann man sich prima gewöhnen.

[ Sylvia Görke ]

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3 Meinungen zur Rezension oder zum Film

[ 10.02.10, 16:21:20 – michael eckhardt ]
liebe vera, liebe(r) co,

an sich passiert ja in leipzig recht viel im original (wunderbar und täglich einsehbar unter http://www.playerweb.de/original). aber ich leite eure berechtigten wünsche und anmerkungen einfach mal direkt an die nachspiel-kinos weiter. die werden das sicher sehr ernst nehmen und in kürze berücksichtigen.
liebe grüße
micha vom PLAYER

[ 09.02.10, 10:50:36 – Co ]
Da möchte ich doch Vera beipflichten und das insbesonders beim Thema Skandinavien. Die meisten Skandinavier sprechen auch deshalb brilliant Englisch, weil sie im Kino fast immer OmU sehen. (Die Rechtschreibung ist ein anderes Thema *;-)) Und in einer EU mit ungezählten Arbeitssprachen sind mehr Originalfilme im europäischen Kino nur zeitgemäß, meine ich. Also: Weniger Synchonisierungswut und bitte einen mündigen Kinobesucher vermuten, der kulturelle Vielfalt wünscht. Bitte mehr OmU in vielen verschiedenen Sprachen. Das Leben ist bunt! Das Kino sollte dies wiedergeben! Danke! Co

[ 02.02.10, 10:12:26 – Vera ]
Ich finde es sehr schade, dass die Larrson-Verfilmungen nirgendwo als OmU laufen. Es gibt mehr SchwedischlernerInnen, als man allgemein denkt.




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