Originaltitel: VERONIKA DECIDES TO DIE
USA 2009, 103 min
FSK 12
Verleih: Capelight
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Darsteller: Sarah Michelle Gellar, Jonathan Tucker
Regie: Emily Young
Kinostart: 30.09.10
Eigentlich sollte man es wohl als etwas Gutes empfinden, wenn ein Filmplakat zur Abwechslung mal dem Autor die größten Lettern auf dem Poster zukommen läßt. Eigentlich, denn natürlich kommt es auf den Schreiber an, der da über allem prangt. In diesem Fall heißt er Paulo Coelho und ist einer der Superstars des Literaturbetriebs. Seine Bücher sind meist trostspendende Parabeln in Romanform, voll von lebensbejahenden, spirituell aufgeladenen Botschaften, die Märchenonkel Coelho gern poetisch verschwurbelt unters Volk bringt. Dies ist auch in VERONIKA BESCHLIESST ZU STERBEN nicht anders, und diese uninspirierte Adaption schickt sich keineswegs an, dem sentimentalen Sterbensreigen mehr Substanz zu geben.
Gefangen in den Mühlen eines von Oberflächlichkeit geprägten Alltags, beschließt die attraktive Veronika, ihr Leben zu beenden. Doch der Versuch scheitert, sie landet in einer luxuriösen psychiatrischen Anstalt, wo man sie wissen läßt, daß sie dem Tode keineswegs entronnen ist. Ihr mörderischer Medikamenten-Mix hat irreparablen Schaden an ihrem Herzen angerichtet, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es endgültig aus ist.
An dieser Stelle kann sich jeder dramengeschulte Zuschauer den Rest denken und wird von der Vorhersehbarkeit dieses Melodramchens nicht enttäuscht: Natürlich entdeckt Veronika in ihrer Todgeweihtheit, daß es noch so vieles gibt, wofür es sich zu leben lohnt, natürlich wartet die große Liebe nur wenige Zimmertüren entfernt, und natürlich ist die Schlußpointe jene, die man die ganze Zeit hinter der ominösen Todesbotschaft vermutet. Optisch gibt es wenig zu beanstanden: Idyllische Orte werden in weiches Licht getaucht, poetisch ineinander fließende Bildmontagen lassen die Schönheit des Daseins keine bloße Behauptung sein, und auch der Schauwert Sarah Michelle Gellars hat sieben Jahre nach BUFFY kaum etwas eingebüßt. Jedoch schafft all diese Pracht es nicht, die inhaltliche Leere zu übertünchen, die einen hier von allen Seiten angähnt.
Letztendlich krankt der Film, woran auch seine Hauptfigur an der Welt leidet, und weshalb sie diese verlassen will: alles Oberfläche, nirgends Wahrhaftigkeit. Aber als Zuschauer muß man zum Glück nicht die Welt verlassen, um solch geballter Seichtheit zu entkommen. Man muß einfach nur aus dem Kinosaal gehen, oder noch besser in einen anderen Film ...
[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...
[ 03.10.10, 19:42:42 – Paul Salisbury ]
Antwort des Verfassers der Rezension:
Hallo Gabi,
dass vielen Menschen die Werke Coelhos gefallen und etwas bedeuten, will ich gar nicht in Abrede stellen. Allerdings ist eine Rezension zwangsläufig eine subjektive Sicht auf ein künstlerisches Werk. Eine Bewertung ohne persönliche Stellungnahme, die zwangsläufig etwas mit dem persönlichen Geschmack des Autors zu tun hat, ist nun einmal nicht möglich, andernfalls bleibt nur eine fade Beschreibung der Handlung übrig, die in jedem Kinoprogramm zu haben ist.
Zu den schauspielerischen Leistungen: Leider ist die Zeichenzahl einer Rezension im Player recht begrenzt, weshalb man nicht auf jeden Aspekt eines Films eingehen kann. Natürlich ist die Leistung der Darsteller im besten Fall ein zentrales Qualtitätsmerkmal, im Fall von dem hier besprochenen Film aber meiner Meinung nach nicht herausragend und daher nicht so erwähnenswert wie eben u.a. die inhaltlichen Mängel des Films. Sarah Michelle Gellar gibt eine solide und im Großen und Ganzen durchaus überzeugende Vorstellung als Veronika ab. Die Nebendarsteller stehen ihr in nichts nach, herauszuheben ist dabei David Thewlis als Leiter der Klinik, in der Veronika unterkommt. Den bisher meist nur aus kleinen Nebenrollen bekannten Darsteller würde man gern öfter in größeren Rollen dieser Art sehen, jedoch lässt VERONIKA BESCHLIESST ZU STERBEN dem Charakter des Dr. Blake kaum Entfaltungsraum, wie bei fast allen Figuren verbleibt der Film auch hier nur an der Oberfläche .
Wünsche Dir trotz dieser Meinungsdifferenz weiter viel Vergnügen bei der Lektüre vom PLAYER!
Viele Grüße,
Paul
[ 27.09.10, 14:53:33 – Gabi ]
Schonmal daran gedacht, dass sehr vielen Menschen die Werke Coelhos gefallen? Selbst wenn sie nicht die hohe Kunst des Schreibens darstellen, geben doch gerade diese lebensbejahenden Botschaften dem Leser kraft. Wäre mal interessant gewesen ein Kritik zum Film von diesem Standpunkt aus zu lesen...
Hätte auch gerne gelesen, wie sich die Darsteller schlagen. Enttäuschende Kritik.
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